Save Our Seeds

Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung. Es steht am Anfang und am Ende eines Pflanzenlebens. Die Vielfalt und freie Zugänglichkeit dieses Menschheitserbes zu erhalten, das von Generation zu Generation weitergegeben wird, ist die Aufgabe von Save Our Seeds.

Foto: Weizenkorn Triticum Karamyschevii Schwamlicum fotografiert von Ursula Schulz-Dornburg im Vavilov Institut zu St.Petersburg

EU-Kommission will Gentechnikrecht deregulieren

"Save Our Seeds" kritisiert undurchdachten Vorschlag zur Neugestaltung der EU Gentechnik-Gesetzgebung

In einem online veröffentlichten "Inception Impact Assessment" (einleitende Folgeabschätzung) vom 24. September informiert die Europäische Kommission die Öffentlichkeit und interessierte Kreise über ihre Absicht, die bisherige Gentechnik-Gesetzgebung so zu verändern, dass bei "durch gezielte Mutagenese und Cisgenese gewonnenen Pflanzen" die bisherige Risikobewertung und Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Organismen entfällt. Mit diesen Begriffen beschreibt die Kommission Ergebnisse neuer Gentechnikverfahren wie CRISPR/Cas und anderer "Gene Editing"-Techniken zur einfachen, aber auch mehrfachen gentechnischen Veränderung kurzer DNA-Abschnitte (gezielte Mutagenese) oder auch zu umfassender Manipulation von DNA, die bereits im Genom des Organismus vorhanden ist (Cisgenese). 

Die Kommission lädt dazu ein, sich bis zum 22. Oktober zu ihrem Plan, ihren Zielen und Annahmen zu äußern. "Save Our Seeds" bietet Ihnen hier die Möglichkeit, sich technisch vereinfacht an der Konsultation zu beteiligen.

Unsere Kritik an dem Vorschlag der EU-Kommission in Kürze:

1. Der Vorschlag ist ein erster Schritt zur Deregulierung der Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Er lässt allerdings kein Gesamtkonzept für eine neue Gentechnikgesetzgebung erkennen und berücksichtigt nicht die neuartigen Risiken und Gefahren, die sich aus der Anwendung neuer, wirkungsvoller Gentechniken ergeben.

2. Die künstliche Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen der Gentechnik (gezielte Mutagenese, Cisgenese) verwirrt nur die grundlegende EU-Definition von GVO als Organismen, bei denen das "genetische Material in einer Weise verändert wurde, die in der Natur nicht vorkommt", die vom Europäischen Gerichtshof erst 2018 erneut bestätigt wurde. 

3. Die Beschreibung dieser spezifischen GVO durch die Kommission klingt wie direkte Werbung für deren potenziellen Nutzen und lässt die kritische Distanz vermissen, die wir von einer öffentlichen Institution und unparteiischen Regulierungsbehörde erwarten.

4. Das Vorsorgeprinzip als konstitutionelle Grundlage von EU-Umweltverträglichkeitsprüfungen wird in dem Vorschlag überhaupt nicht mehr erwähnt.

5. Es wäre zwar wünschenswert, künftig im Rahmen von Technologiebewertungen und Genehmigungsverfahren soziale und Nachhaltigkeitskriterien systematisch zu berücksichtigen. Der Vorschlag, einen solchen Ansatz nur auf eine enge Klasse von GVO anzuwenden für auszuwählen, erscheint jedoch willkürlich. Ihm fehlt ein solider wissenschaftlicher, systematischer und kohärenter neuer Ansatz für die Produkt- und Technologiebewertung.

In unserer Antwort zu dem Kommissionsvorschlag fordern wir:

1. Alle GVO, ob aus älteren oder neueren Gentechnikverfahren gewonnen, sollten der üblichen Einzelfallgenehmigung und Risikobewertung für GVO unterzogen werden.

2. Alle GVO-Produkte sollten klar gekennzeichnet werden, um Verbraucher*innen und Landwirt*innen eine wohlinformierte Wahl zu ermöglichen. Ein Nachweisverfahren zur Rückverfolgbarkeit eines GVO sollte weiterhin eine zwingende Voraussetzung für dessen Zulassung sein. 

3. Eine Anpassung der GVO-Risikobewertungsverfahren an neue technologische Entwicklungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse muss auf dem Vorsorgeprinzip sowie auf soliden wissenschaftlichen Kriterien und Konzepten beruhen und die Bewertung zusätzlicher Risiken einschließen, die sich aus neuen, wirkungsvolleren Technologien ergeben.

4. Die Bewertung sozioökonomischer Nutzen und Risiken für die Nachhaltigkeit von Produkten muß auf Grundlage eines umfassenden und integrierten Ansatzes geplant und durchgeführt werden. Sie willkürlich und mit durchschaubarer Absicht auf die Regulierung einer besonderen Kategorie von GVO zu beschränken, macht eine solche Bewertung von vornherein unglaubwürdig.

Ihr Beitrag zur Konsultation der Europäischen Kommission

Dieses Formular soll Ihnen die Beteiligung an der Konsultation der EU Kommission erleichtern.Es kommt uns dabei nicht darauf an, möglichst viele Unterschriften zu sammeln, sondern persönliche, ökologische, wissenschaftliche, wirtschaftliche Bedenken einzubringen. Sie können sich gerne (mit Strg C und Strg V) unseres Textes bedienen. Bitte bleiben Sie respektvoll. Wenn Sie ihre Meinung anonym abgeben wollen, nutzen Sie bitte das Formular der EU Kommission.

Weitere Lektüre und Informationen

Strategiepapier der Kommission, manchmal auch als Studie bezeichnet, über neue Genomtechniken (April 2021)

Testbiotech Analysis of the EU Commission’s Inception Impact Assessment

Biosafety of Genome Editing Applications ... eine kritische wissenschaftliche Bewertung durch Mitglieder von fünf nationalen Regulierungsbehörden in der EU (Juni 2021)

Biased from the outset… (Von Anfang an voreingenommen ... ) eine kritische Stellungnahme von 51 Umwelt-, Verbraucher- und Landwirtschaftsorganisationen (September 2021)

Hintergrundpapiere zu CRISPR/Cas-Technologien und ihren Risiken - Wissenschaftliche, aber allgemeinverständliche Kurzbeschreibungen des FGU-Projekts Gentechnik und Umwelt (2020/2021)

Kontakt:  Benedikt Haerlin, Save Our Seeds

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern!

Social Media

Gene Drive Moratorium

Der Weltacker freut sich auf Euren Besuch im Botanischen Volkspark Pankow

Infomaterial bestellen

Helfen Sie uns, den SOS-Flyer zu verbreiten! Bestellen Sie gedruckte Exemplare per e-mail. oder laden Sie ihn als PDF herunter.