Nationale Koexistenzregeln gelten weiterhin für alle Gentechnikpflanzen, auch für solche, die demnächst aus dem EU-Gentechnikrecht ausgenommen sind. Dies geht aus einem neuen Rechtsgutachten hervor.


Nationale Koexistenzregeln gelten weiterhin für alle Gentechnikpflanzen, auch für solche, die demnächst aus dem EU-Gentechnikrecht ausgenommen sind. Dies geht aus einem neuen Rechtsgutachten hervor.

Das Europäische Parlament hat heute das Ergebnis der Trilog-Verhandlungen über die weitreichende Deregulierung von Pflanzen aus neuer Gentechnik (NGT) verabschiedet. Nach dem neuen Gesetz werden viele Pflanzen, die mithilfe neuer Verfahren wie CRISPR/Cas entwickelt wurden, nicht mehr unter das EU-Gentechnikrecht fallen. Anforderungen an Umwelt-Risikobewertung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung für Verbraucher entfallen.

In einer gemeinsamen Resolution zur Grünen Woche 2026 fordern 45 Verbände aus Verbraucher‑, Umwelt- und Tierschutz, Landwirtschaft, Lebensmittelerzeugung sowie Entwicklungszusammenarbeit, die geplanten neuen EU-Gentechnik-Regeln abzulehnen.

In einer nächtlichen Sitzung vom 3. auf den 4. Dezember haben sich die Unterhändler von EU-Ministerrat, ‑Parlament und ‑Kommission auf eine weitreichende Deregulierung von Pflanzen aus neuer Gentechnik (NGT) – wie etwa die Genschere CRISPR/Cas – geeinigt. Danach sollen fast alle Vorgaben des EU-Gentechnikrechts für diese Art von Gentechnik-Pflanzen abgeschafft werden.

Auf ihrem Kongress in Abu Dhabi stimmte die Weltnaturschutzunion IUCN knapp gegen eine „vorsorgliche Aussetzung” der Freisetzung gentechnisch veränderter Wildarten in natürliche Ökosysteme. Eine knappe Mehrheit der IUCN-Mitglieder unterstützte jedoch die Forderung nach „zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen” für solche Freisetzungen. Der Kongress offenbarte eine tiefe Spaltung der Naturschutzgemeinschaft hinsichtlich der Frage, ob gentechnisch veränderte Wildorganismen in die Natur freigesetzt werden sollten.

Die Regierung von Burkina Faso hat den sofortigen Stopp der Target-Malaria-Initiative im Land angeordnet. Target Malaria hatte gerade mit seinem zweiten Feldversuch mit gentechnisch veränderten Mücken begonnen, um Wissen und Erfahrung zu sammeln, bevor zu einem späteren Zeitpunkt gentechnisch veränderte Mücken mit Gene Drives freigesetzt werden sollten.

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) debattiert über den Einsatz von Gentechnik in natürlichen Lebensräumen. Sollen gentechnisch veränderte Organismen künftig nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in natürlichen Ökosystemen eingesetzt werden? Die möglichen Auswirkungen auf unsere ohnehin angeschlagenen Ökosysteme sind nicht absehbar. Doch nicht nur deshalb sollte die Weltnaturschutzunion solchen Anwendungen klare Grenzen setzen.

Weltweit befinden sich derzeit nur drei gentechnisch veränderte Pflanzen auf dem Markt, die mit neuen Verfahren wie CRISPR/Cas entwickelt wurden. Das zeigt der New GMOs Market Report der European Non-GMO Industry Association (ENGA) und des US-amerikanischen Non-GMO Project.

Die Parteien der neuen Regierungskoalition streiten weiterhin darüber, ob Lebensmittel aus Gentechnik-Pflanzen, die mittels neuer Verfahren wie CRISPR hergestellt wurden, für Verbraucher:innen gekennzeichnet werden sollten. Eine Debatte im Bundestag zeigte die tiefen Gräben zwischen CDU, CSU und SPD auf.

Was braucht es, um eine Gentechnik-Pflanze zu entwerfen, die ohne Risikoprüfung oder Kennzeichnung freigesetzt werden kann? Nicht viel, wie Experten von Testbiotech und der Aurelia Stiftung gezeigt haben. Ihr Experiment macht deutlich, dass das geplante EU-Gesetz zu neuen gentechnischen Verfahren (NGT) unzureichend ist, um die Umwelt vor ernsthaften Schäden zu schützen.