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Nachrichten

14.09.2017 |

Bald dreifach resistente Soja in der EU?

Soja Schrot Öl
Sojabohnen, -Schrot und -Öl. Hier auf dem Foto aus den USA, also zu 90% Gentechnik (Foto: United Soybean Board / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

UPDATE +++ Möglicherweise dürfen bald die ersten Sojabohnen in die Europäische Union (EU) importiert werden, die gegen drei Pestizide zugleich resistent sind. Die EU-Mitgliedsstaaten fanden im zuständigen Ausschuss nicht die nötige Mehrheit für ein Verbot, teilte eine Kommissionssprecherin auf Anfrage mit. Die Bundesregierung hat sich enthalten, da die Koalitionäre uneins sind. Jetzt muss die EU-Kommission selbst über die Zulassung entscheiden.

Wie aus gut informierten Kreisen verlautete, stimmte jeweils die Mehrheit der EU-Mitgliedsländer gegen die beiden neuen Sojasorten (15:11 und 14:12), darunter auch Frankreich und Italien. Da Deutschland und Portugal sich jedoch enthielten, war die Mehrheit nicht groß genug für ein Verbot. Wie eine Sprecherin mitteilte, hätte das SPD-geführte Bundesumweltministerium gerne gegen die neue Gentech-Soja gestimmt. Der Agrarminister (CSU) war jedoch dafür. Nach der gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesregierung müsse er sich in solchen Fällen enthalten.

Es geht um zwei Sojasorten der Konzerne Bayer und DowDuPont (DDP). Sie wurden gentechnisch so verändert, dass sie nicht nur die Behandlung mit dem Unkrautvernichter Glyphosat überleben, sondern auch gegen Glufosinat und je ein weiteres Spritzmittel resistent sind. Hintergrund ist, dass viele Unkräuter Glyphosat-Spritzen inzwischen ebenfalls unbeschadet überstehen, selbst bei größeren Mengen des Pestizids.

Das gentechnikkritische Institut Testbiotech warnt, die gesundheitlichen Risiken dieser Soja-Gift-Kombinationen seien nicht ausreichend geprüft worden. Testbiotech wirft dem Bayer-Konzern vor, im Versuchsanbau nur rund ein Kilogramm Glyphosat pro Hektar eingesetzt zu haben. Unter Praxisbedingungen würden dagegen Mengen von bis zu vier oder sogar acht Kilogramm pro Hektar empfohlen. Außerdem seien die Pflanzen der Firma Dow AgroSciences (seit 1.9. DDP) gegen mehr Herbizidwirkstoffe resistent, als aus dem Prüfbericht der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA hervorgehe. Zu diesen weiteren Wirkstoffen gebe es aber keine Daten zur Risikobewertung.

Testbiotech verweist darauf, dass schon von den drei geprüften Wirkstoffen erhebliche Gesundheitsgefahren drohen: Sowohl Glyphosat als auch die enthaltenen Spritzmittel Isoxaflutol und 2,4-D stehen im Verdacht, Krebserkrankungen auszulösen. Trotz aller Risiken seien die neuen Sojasorten nicht in Fütterungsversuchen auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit getestet worden, kritisiert Christoph Then von Testbiotech.

Das Europaparlament hatte bereits gestern mehrheitlich Einspruch gegen die Zulassung einer weiteren Gentech-Sojasorte von DDP eingelegt, die gegen zwei Pestizide resistent ist. Ihren Antrag hatten die VertrerInnen des Umweltausschusses damit begründet, dass es keine Studien gebe, die Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier durch Gentech-Soja ausschlössen. Daher könne die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht abgeschlossen werden. Außerdem verwies der Antrag auf eine unabhängige wissenschaftliche Studie, die Bedenken wegen Risiken des Wirkstoffs 2,4-D bei der Embryonalentwicklung, für Geburtsschäden und endokrine Störungen aufwerfe. 2,4-D ist eines der beiden Pestizide, die die Soja DAS-68416-4 überlebt.

Nach Informationen von Testbiotech hat sich allerdings auch bei dieser Sojasorte keine Mehrheit unter den EU-Mitgliedsstaaten für ein Verbot gefunden. Daher muss auch hier nun die EU-Kommission entscheiden. Das Votum des EU-Parlaments ist rechtlich wirkungslos. Aktuell sind in der EU 13 gentechnisch veränderte Sojasorten für Lebens- und Futtermittel zugelassen. [vef]

UPDATE: Abstimmungsergebnis

13.09.2017 |

Europäisches Gericht: Italien durfte MON 810 nicht verbieten

Gericht EU
Foto: Gerichtshof der Europäischen Union

Italien hätte im Jahr 2013 den Anbau von gentechnisch verändertem Mais nicht verbieten dürfen. Es sei nicht erwiesen gewesen, dass MON 810 „wahrscheinlich ein ernstes Risiko für die Gesundheit von Mensch oder Tier oder die Umwelt darstellt“, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) heute. In dem Verfahren ging es um drei italienische Bauern, die den Monsanto-Mais MON 810 trotz des Verbots ihrer Regierung angebaut hatten. Deshalb läuft in Italien ein Strafprozess gegen sie.

2013 hatte das Land die europarechtliche Möglichkeit genutzt, eine gentechnisch veränderte (gv) Pflanze im Wege einer Sofortmaßnahme zu verbieten, wenn sie ein ernstes Risiko für Lebewesen oder Umwelt darstellt. Diese Möglichkeit besteht auch für gv-Pflanzen, die in der Europäischen Union bereits zugelassen sind, wenn nachträglich neue Risiken bekannt werden. Italien berief sich bei dem 1998 zugelassenen MON 810 auf zwei neue Studien italienischer Forschungseinrichtungen, die 2013 veröffentlich wurden. Die Europäische Kommission, bei der Italien das Sofortverbot zunächst beantragt hatte, teilte die italienischen Bedenken jedoch nicht.

Trotzdem verbot die italienische Regierung im Juli 2013 per Dekret den Anbau von MON-810-Mais in Italien. Gegen die Bauern, die diesen Mais 2014 ungeachtet des Dekrets anbauten, wurden Strafverfahren eingeleitet. Im Rahmen dieser Strafverfahren wollte das Landgericht Udine, Italien, vom EuGH nun wissen, ob im Lebensmittelbereich Sofortmaßnahmen auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips getroffen werden dürfen. Nach diesem Prinzip können die EU-Mitgliedstaaten Maßnahmen treffen, um Risiken für die menschliche Gesundheit vorzubeugen, die aufgrund wissenschaftlicher Unsicherheiten noch nicht vollständig erkannt oder erfasst worden sind, heißt es in der Presseinformation des Gerichts.

Die Richter betonten, dass das Vorsorgeprinzip eine wissenschaftliche Unsicherheit voraussetzt, ob ein bestimmtes Risiko wirklich besteht. Damit könne das Vorsorgeprinzip zwar rechtfertigen, vorläufige Maßnahmen zum Risikomanagement bei Lebensmitteln im Allgemeinen zu ergreifen. Es erlaube jedoch nicht, die Bestimmungen für genetisch veränderte Lebensmittel beiseite zu lassen, zu ändern oder zu lockern, so das EU-Gericht. Denn diese Lebensmittel seien bereits umfassend wissenschaftlich bewertet worden, bevor sie in den Handel kamen.

Gentech-Mais darf in Italien trotz dieses Urteils weiterhin nicht angebaut werden. Denn seit 2015 dürfen die EU-Mitgliedsstaaten aufgrund der sogenannten „Opt out“-Regelung ihr Gebiet vom Anbau bestimmter gv-Pflanzen ausnehmen. Im Zuge dieser Regelung hat Italien – ebenso wie Deutschland und 15 weitere EU-Länder - den Anbau der bereits bekannten Gentech-Maissorten auf seinem Territorium verhindert.

Für den grünen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner ist nach diesem Urteil allerdings fraglich, ob diese Anbauverbote rechtssicher sind. „Es ist vollkommen offen, was passiert, wenn eines Tages ein deutscher Agrarbetrieb versuchen würde, sich den Genmais-Anbau zu erklagen“, warnte der Gentechnik-Experte. Er verwies darauf, dass die Bundesregierung es seit 2015 noch nicht geschafft hat, die europäische Opt-out-Regelung in deutsches Recht umzusetzen. Ebner plädierte dafür, gv-Pflanzen in Europa gar nicht erst zuzulassen - dann müssten die Mitgliedsländer sie auch nicht mehr national verbieten. [vef]

12.09.2017 |

Studie: Bio-Böden speichern mehr Kohlenstoff und zwar langfristiger

Bioboden
Bioböden enthalten mehr organische Bodensubstanz und Huminstoffe (Foto: CC0)

Ökologisch bewirtschaftete Böden speichern größere Mengen an Kohlenstoff und dies zudem langfristiger als konventionell bewirtschaftete Äcker. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Studie aus den USA, die von Wissenschaftlern der Northeastern University gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation „The Organic Center“ durchgeführt wurde. Die Forscher fanden heraus, dass ökologisch bewirtschaftete Böden einen höheren Anteil an Huminstoffen aufweisen, weshalb sie atmosphärischen Kohlenstoff besonders effektiv und langfristig im Boden binden können. Die Studie, die am 1. Oktober im Fachjournal „Advances in Agronomy“ erscheinen wird, bescheinigt Bio-Böden ein 26% größeres Potenzial Kohlenstoff langfristig zu speichern als Böden unter konventioneller Bewirtschaftung. Die Autoren betonen, dass es bereits zahlreiche Studien gebe, welche die positiven Auswirkungen des Ökolandbaus auf die organische Bodensubstanz belegten. Doch dies sei die erste wissenschaftliche Untersuchung, die sich umfassend mit der langfristigen Kohlenstoffspeicherung im Boden unter verschiedenen Anbausystemen USA-weit beschäftigte.

Das Team der Northeastern University verglich mehr als 1000 Bodenproben von Biobetrieben und konventionell wirtschaftenden Betrieben, wobei unterschiedliche Anbaumethoden, Feldfrüchte und Bodentypen berücksichtigt wurden. Als Datengrundlage diente sowohl das „National Soil Project“, das seit 2008 vor allem den Bodenkohlenstoffgehalt konventionell bewirtschafteter Böden misst, als auch 659 Bodenproben von Biobetrieben aus 39 US-Bundesstaaten aus den Jahren 2015 und 2016. Die Wissenschaftler gelangten zu dem Ergebnis, dass auf den Ökobetrieben der Kohlenstoffgehalt der Böden höher war und zwar um 13%. Besonderes Augenmerk schenken sie jedoch den Huminstoffen, die beim Abbau von abgestorbenem, organischem Material entstehen. „Wir haben uns nicht nur den Gesamtkohlenstoffgehalt angeschaut, sondern auch die Bodenkomponenten, die einen stabilen Pool an organischem Kohlenstoff aufweisen – Huminstoffe. Dies vermittelt uns ein akkurates und präzises Bild von der stabilen, langfristigen Kohlenstoffbindung im Boden“, sagte Dr. Jessica Shade, Leiterin des Wissenschaftsprogramms von „The Organic Center“. Die Studie ermittelte einen höheren Anteil von Fulvo- und Huminsäuren in ökologisch bewirtschafteten Böden. Im Schnitt war der Anteil von Huminsäuren – jenen Bodenbestandteilen, die eine hohe Stabilität aufweisen und daher Kohlenstoff langfristig speichern – im Ökolandbau um 44% höher. Der Anteil an Fulvosäuren im Boden war auf Biohöfen 150% höher als auf konventionellen Betrieben.

Die Autoren schreiben dem Ökolandbau daher eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels zu. Huminstoffe seien widerstandsfähig gegen Bodendegradation und hielten sich mehrere hundert oder gar tausende Jahren im Boden. Je höher der Gehalt von Huminstoffen im Boden, desto länger speichern Böden Kohlenstoff und entziehen diesen der Atmosphäre. „Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial des Ökolandbaus, die Kohlenstoffbindung in Böden zu steigern und so zur Verringerung einer der Hauptursachen des Klimawandels beizutragen“, sagte Dr. Shade. Laut „The Organic Center“ tragen im Ökolandbau häufig zum Einsatz kommende Praktiken, wie abwechslungsreiche Fruchtfolgen, der Anbau von Zwischenfrüchten zur Gründüngung oder die Nutzung von Mist und Kompost wahrscheinlich auch zu einer Erhöhung des Anteils von Huminstoffen im Boden bei. Dr. Geoffrey Davies von der Northeastern University sagte dem Nachrichtenmagazin Civil Eats: „Was ich nun gerne als nächstes herausfinden möchte, ist ob Huminstoffe in ökologisch bewirtschafteten Böden mit jenen in konventionellen Böden übereinstimmen.“ Sollten sie sich unterscheiden, wäre dies Dr. Davies zufolge ein weiteres Anzeichen dafür, dass wir mit Praktiken der konventionellen Landwirtschaft wie dem Einsatz von Mineraldünger „der Natur zuwiderlaufen“. (ab)

31.08.2017 |

Böden verloren 133 Milliarden Tonnen Kohlenstoff durch Landwirtschaft

Plow
Bodenbearbeitung (Foto: CC0)

Die Böden dieser Welt sind der größte terrestrische Kohlenstoffspeicher. Doch seit Beginn der Landwirtschaft vor etwa 12.000 Jahren wurden 133 Milliarden Tonnen Kohlenstoff aus den oberen zwei Metern der Bodenschicht freigesetzt. Und der Verlust von Bodenkohlenstoff hat sich in den letzten 200 Jahren seit dem Einsetzen der industriellen Revolution dramatisch beschleunigt. Das zeigt eine neue Studie, die am 21. August im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist. Das Forscherteam kam zu dem Ergebnis, dass durch die Landwirtschaft ebenso viel Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt wurde wie durch die Rodung von Wäldern. „Die Ausbreitung der Landwirtschaft hat eine große Kohlenstoffschuld in den Böden hinterlassen“, sagte der Hauptautor der Studie, Dr. Jonathan Sanderman vom Woods Hole Research Center, einer Denkfabrik zum Thema Klimawandel in den USA. „Doch es ist bisher schwierig gewesen, den Umfang und die räumliche Verteilung des Verlustes von organischem Kohlenstoff im Boden durch Änderungen in der Landnutzung und Bodenbedeckung zu bestimmen.“ Den Autoren zufolge gingen die Ergebnisse früherer Studien weit auseinander: Schätzungen reichten von 40 bis 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Die Forscher wagten nun einen neuen Versuch mit einem auf maschinelles Lernen gestützten Modell, das globale Daten zu Bodenkohlenstoff und Landnutzung einbezieht.

Demnach waren in den oberen zwei Metern der Böden weltweit 133 Milliarden Tonnen Kohlenstoff mehr gespeichert, als noch keine Landwirtschaft betrieben wurde. „Ich denke, dass wir in der Vergangenheit den Umfang der Emissionen, die aus Böden aufgrund von Landnutzungsänderungen freigesetzt wurden, unterschätzt haben“, sagte Sanderman der Washington Post. Der Studie zufolge trug der Ackerbau etwa zu einem gleichen Anteil zur Freisetzung des Bodenkohlenstoffs bei wie die Viehhaltung. Obwohl der Anbau von Feldfrüchten prozentual einen höheren Anteil pro Fläche freisetze, schlage die Viehzucht insgesamt etwas mehr zu Buche, da es fast doppelt so viele Weideflächen wie Ackerland gebe. Weltweit variieren Umfang und Anteil des Rückgangs an Bodenkohlenstoff aufgrund der großen Unterschiede bei Bodeneigenschaften, Klima, Art der Landnutzungsänderungen und der unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen. Die Autoren betonen auch, dass es bei einer landwirtschaftlichen Bodennutzung nicht unbedingt zu einem Verlust an Bodenkohlenstoff kommen muss. Bei Böden, die von Natur aus eine geringe Fruchtbarkeit aufweisen, kann der Gehalt verbessert werden, wodurch das Pflanzenwachstum profitiert.

Die Wissenschaftler möchten mit ihren Ergebnissen eine Grundlage für politische Maßnahmen bieten, die darauf abzielen, den Kohlenstoffgehalt der Böden wieder zu erhöhen. „Unsere Karten zeigen Brennpunkte des Verlusts an Bodenkohlenstoff, oft in den wichtigsten Ackerbaugebieten und den Regionen, in den Weideland stark degradiert ist. Dies legt nahe, dass Regionen identifiziert werden können, die das Hauptziel der Bemühungen sein sollten, Böden wieder mit Kohlenstoff anzureichern“, schreiben die Autoren. „Die große Bodenkohlenstoffschuld kann als das maximale Potenzial betrachtet werden, das die Böden bieten, um Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen und so als natürliche Lösung für den Klimawandel zu dienen. Selbst wenn nur ein Bruchteil dieses Potenzials genutzt würde, wäre dies eine wichtige Strategie zur Abmilderung des Klimawandels“, betont Sanderman. Die Forscher bezeichnen nachhaltige Methoden der Bodenbewirtschaftung, die den Kohlenstoff wieder in den Boden bringen, wie ausgeklügelte Fruchtfolgen, den Anbau von Zwischenfrüchten zur Bodenbedeckung und eine verringerte Bodenbearbeitung, als große Chance. „Eine Änderung der großflächigen landwirtschaftlichen Praktiken, um einen Teil der verloren gegangenen Bodenkohlenstoffvorräte wiederherzustellen, könnte eine wertvolle Strategie sein, um den Klimawandel abzubremsen“, sagte Mitautor Dr. Thomas Crowther vom Yale Climate and Energy Institute gegenüber CarbonBrief. „Wenn eine regenerative Landwirtschaft zumindest einen Teil des Kohlenstoffs, den wir verloren haben, wieder in den Boden bringen könnte, wäre dies ein kostbares Werkzeug in unserem Kampf gegen den Klimawandel.“ (ab)

30.08.2017 |

Weniger Glyphosat in deutschem Bier

Drei Bier! Foto: Deutscher Brauer-Bund e.V.
Drei Bier! Foto: Deutscher Brauer-Bund e.V.

Die Bürger-Proteste zeigen Wirkung: Wie das Münchener Umweltinstitut mitteilte, ist der Glyphosat-Gehalt im deutschen Bier im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Die Brauereien hätten vermutlich besser auf reine Rohstoffe geachtet, so das Institut. Nach deutlich erhöhten Werten im vergangenen Jahr hatten sich 20.000 Menschen seiner Forderung angeschlossen, das Pestizid aus dem Bier zu verbannen.

Insgesamt 14 beliebte Biere hat das Umweltinstitut getestet. Während die durchschnittliche Belastung 2016 noch bei 7,6 Mikrogramm Glyphosat pro Liter Bier lag, waren es 2017 im Schnitt nur noch 1,7 Mikrogramm. Damit sind die Werte in gut einem Jahr um fast 80 Prozent gesunken. Der Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm pro Liter werde allerdings von allen getesteten Bieren überschritten, so das private Institut. Bei einer Biersorte wurden immer noch 5,1 Mikrogramm Glyphosat pro Liter gemessen.

„Offenbar passen einige Brauereien beim Einkauf von Braugerste heute besser auf“, erklärte Agrarreferent Karl Bär den Rückgang. Die Wege, auf denen das Glyphosat ins Bier gelangen kann, sind vielfältig. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist es zwar verboten, Braugerste noch so kurz vor der Ernte mit Glyphosat zu spritzen, dass es zu Rückständen kommen kann. Der deutsche Brauerbund (DBB) räumt jedoch ein, dass das Spritzmittel von benachbarten Äckern herüberwehen kann. Außerdem müsse mangels Angebot etwa die Hälfte der Gerste im Ausland gekauft werden, wo der Einsatz glyphosathaltiger Spritzmittel teilweise erlaubt sei. Hauptherkunftsländer sind nach Angaben des DBB Frankreich und Dänemark.

Brauerbund und BfR halten die gefundenen Glyphosat-Mengen für ungefährlich. Der DBB hält es auch für fragwürdig, auf das Bier den „Vorsorgewert“ für Trinkwasser anzuwenden. Der Verband misst die eingesetzten Malze lieber an der europarechtlich festgelegten Rückstandshöchstgrenze für Gerste. Sie beträgt 20 mg Glyphosat/kg und in Weizen 10 mg/kg. Die bei eigenen Überprüfungen in Einzelfällen gefundenen Belastungswerte lägen „um mehr als den Faktor 100“ darunter, so der DBB. Und davon gelangten wiederum nur wenige Prozent ins Bier.

Das Umweltinstitut verwies jedoch darauf, dass auch in Getreide und Backwaren bereits Glyphosat gefunden wurde. Das Gift kann sich also im menschlichen Körper aus mehreren Quellen sammeln. Agrarexperte Bär wundert das nicht: „Der verbreitete Einsatz von Glyphosat führt letztendlich dazu, dass das Pestizid über die Nahrung wieder bei uns Menschen landet.“ Deshalb fordert das Umweltinstitut die Bundesregierung auf, sich bei der anstehenden Abstimmung auf EU-Ebene für ein Verbot des Wirkstoffs einzusetzen. [vef]

22.08.2017 |

Baysanto: EU-Kommission hat noch Bedenken

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (Foto: European Union, Jennifer Jacquemart)

Die Europäische Kommission will die geplante Übernahme des US-Saatgutgiganten Monsanto durch den Chemieriesen Bayer noch intensiver prüfen. In ihrer heutigen Presseerklärung begründet sie das unter anderem damit, dass der Wettbewerb bei der gentechnischen Veränderung von Nutzpflanzen beeinträchtigt werden könnte. Die Bayer AG geht weiter davon aus, dass sie Monsanto bis zum Jahresende kaufen darf.

Mit Monsanto wäre die Bayer AG mit Sitz in Leverkusen das weltweit größte integrierte Pestizid- und Saatgut-Unternehmen. Dadurch kämen zwei Wettbewerber zusammen, die bei Totalherbiziden, Saatgut und agronomischen Merkmalen sowie in der digitalen Landwirtschaft führend sind, heißt es in der Presseinformation. Agronomische Merkmale sind etwa Herbizid-, Insekten- oder Krankheitsresistenz, mit denen Pflanzen durch Veränderung ihrer Gene ausgestattet werden können. Monsanto sei hier Marktführer und Bayer einer der wenigen Konkurrenten. Außerdem arbeiteten beide Unternehmen an neuen Produkten in diesen Bereichen.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager sagte: „Saatgut und Pestizide sind für Landwirte und letztlich auch für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung. Wir müssen auf diesen Märkten einen wirksamen Wettbewerb sicherstellen, sodass Landwirte Zugang zu innovativen Produkten und einer besseren Qualität haben und Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen kaufen.“

Die Bayer AG hat die Entscheidung wegen des Umfangs des 66 Milliarden US-Dollar-Deals offenbar erwartet. Man sei von den Vorteilen des geplanten Zusammenschlusses für Landwirte und Kunden aber überzeugt und werde die EU-Kommission bei der Untersuchung wie bisher eng und konstruktiv unterstützen, heißt es auf der Bayer-Webseite.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßt die vertiefte Fusionskontrolle. Der AbL-Vorsitzende Martin Schulz verweist darauf, dass nach einer Bayer-Monsanto-Fusion drei Konzerne 44 Prozent des Saatgut- und 65 Prozent des Pestizidmarktes der EU kontrollieren würden. Das habe nichts mehr mit Wettbewerb zu tun, Vestager müsse die Übernahme von Monsanto ablehnen, sagte Schulz. Da eine Fusion massive Auswirkungen auf die bäuerliche Landwirtschaft haben wird, möchte die AbL an der Fusionsprüfung als Drittpartei beteiligt werden.

Die EU-Kommission hat nun bis zum 8. Januar 2018 Zeit, über den Zusammenschluss zu entscheiden. Die Einleitung einer eingehenden Prüfung lasse keine Schlüsse auf deren Ergebnis zu, hieß es. Bayer hatte die Übernahmepläne am 30. Juni 2017 bei der Kommission angemeldet. Am 31. Juli 2017 hätten Bayer und Monsanto Angebote vorgelegt, wie sie die Bedenken ausräumen wollen, so die Mitteilung der EU-Kommission. Diese Angebote reichten aber nicht, um ihre ernsthaften Zweifel an der Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit der EU-Fusionskontrollverordnung zu zerstreuen.

Aufgrund des weltweiten Tätigkeitsfelds von Bayer und Monsanto arbeitet die Kommission eng mit anderen Wettbewerbsbehörden zusammen, insbesondere mit dem Department of Justice der Vereinigten Staaten, dessen Entscheidung ebenfalls noch aussteht. Insgesamt müssen nach Angaben eines Bayer-Sprechers weltweit fast 30 Behörden der Monsanto-Übernahme zustimmen. Anfang Juli hatten das bereits zehn getan, darunter Südafrika.

Die EU-Kommission verwies darauf, dass sie die Übernahme im Fusionskontrollverfahren nur unter wettbewerbsrechtlichen Aspekten prüft. Bedenken in Bezug auf Lebensmittelsicherheit sowie des Verbraucher-, Umwelt- und Klimaschutzes, die in zahlreichen Zuschriften geäußert worden seien, würden dabei nicht berücksichtigt. [vef]

08.08.2017 |

USA: Millionen Mücken gegen die Mückenplage?

Moskito Aedes aegypti
Die Ägyptische Tigermücke (Foto: James Gathany, US Department of Health and Human Services / wikipedia, gemeinfrei)

Ein Unternehmen des Google-Konzerns setzt seit Mitte Juli in Kalifornien Millionen von Tigermücken frei. Da die Männchen mit dem Bakterium Wolbachia infiziert wurden, können bei der Paarung mit wilden Weibchen die Larven nicht überleben, erklärt eine Webseite zum Projekt. Man hoffe, die Zahl der Mücken und damit die Übertragung von Krankheiten, etwa des Zika-Virus, auf diesem Weg deutlich zu reduzieren.

Insgesamt 20 Wochen lang will das Unternehmen Verily in Kooperation mit der zuständigen Behörde von Fresno jeweils eine Million Tigermückenmännchen fliegen lassen. Das sei die bisher größte Freisetzung dieser Art in den USA. Jeden Morgen fährt ein Spezialfahrzeug durch die beiden 1,2 Quadratkilometer großen bewohnten Versuchsgebiete in der kalifornischen Stadt und lässt etwa 150.000 Wolbachia-Moskitos fliegen. Sie werden in Spezialgeräten von Verily hergestellt und nach Geschlecht sortiert. Um die Bevölkerung zu beruhigen, verweist die Behörde darauf, dass die Männchen der Aedes ägypti weder stechen noch Krankheiten übertragen.

Im Jahr 2013 waren die ersten wilden Tigermücken im Tal von Fresno aufgetaucht, vermehrten sich rasant und plagten die Bevölkerung. Die wilden Exemplare der Aedes ägypti sind – anders als viele andere Insekten - normalerweise nicht mit dem Bakterium Wolbachia infiziert. Paart sich nun ein infiziertes Tigermückenmännchen mit einem Weibchen ohne das Bakterium, wächst aus den Eiern kein Nachwuchs. Denn Wolbachia-Bakterien leben in den Geschlechtsorganen ihrer Wirte und verändern dort die genetische Information. Daher wird das Vorgehen auch Sterile-Insekten-Technik SIT genannt. So soll sich die Insekten-Population verkleinern und damit seltener das Zika-Virus, Dengue- oder Chikungunya-Fieber übertragen. Das jedenfalls ist der Plan.

Die amerikanische Umweltbehörde EPA hält die Aktion für ungefährlich. Umweltschützer warnen jedoch, die Folgen seien unabsehbar, wenn eine Tierart ausgerottet wird. Das sei ein schwerwiegender Eingriff ins gesamte Ökosystem. So könnte sich anstelle der Tigermücke eine andere Insektenart unkontrolliert vermehren, hieß es in einer Klage gegen ähnliche Versuche der britischen Firma Oxitec auf den Cayman Inseln. Die insektenzüchtenden Firmen erschlössen sich damit eine nie versiegende Einnahmequelle.

Außerdem warfen die Umweltschützer Oxitec vor, die Überlebenschance der ausgesetzten Mücken zu verschweigen. Die liege bei 15-20 Prozent, wenn die Mücken Nahrung fänden, die das Antibiotikum Tetracyclin enthalte, wie etwa Hühnerfleisch. Trotzdem soll nach einem Bericht des Caymannewsservice auch auf den Cayman Inseln diesen Sommer der Einsatz von Tigermücken ausgeweitet werden. Anders als Verily arbeitet Oxitec laut US-Sender npr allerdings mit einer gentechnischen Veränderung bei den Mückenmännchen, die die frisch geschlüpften Mücken innerhalb weniger Tage absterben lässt.

Auch bei weiblichen Tigermücken soll Wolbachia übrigens nach einschlägigen Studien von Vorteil sein: Nach einem Bericht des österreichischen Senders ORF sollen sie das Dengue-Fieber schlechter übertragen, wenn sie mit dem Bakterium infiziert sind. Versuche dazu laufen aktuell vor allem in Asien und Australien. [vef]

04.08.2017 |

Die Monsanto-Akten: Sturm gegen kritische Studie

Elsevier
Elsevier verlegt das Fachjournal Food and Chemical Toxicology (Foto: ActuaLitté / flickr, CC BY-SA 2.0)

Seit Monaten verhandelt ein Gericht in Kalifornien eine Sammelklage von Menschen, die ihre Krebserkrankung auf das Herbizid Glyphosat von Monsanto zurückführen. Die Anwälte der Kläger erzwangen, dass Monsanto interne Akten offenlegen musste. Diese offenbaren, wie der Konzern Wissenschaftler bezahlte und Behörden beeinflusste.

Von der Kanzlei Baum Hedlund veröffentlichte Unterlagen zeigen jetzt, wie der Konzern dazu beitrug, dass die Fachzeitschrift Food and Chemical Toxicology (FCT) eine zuvor veröffentlichte Studie mit Glyphosat-kritischem Ergebnis 2013 wieder zurückzog. Für die Studie hatten Professor Gilles-Eric Séralini und sein Team von der Universität Caen Ratten zwei Jahre lang mit gentechnisch verändertem Mais gefüttert und mit leicht glyphosathaltigem Wasser getränkt. Die Tiere entwickelten deutlich häufiger Krebserkrankungen und Leberschäden als die unbelastete Kontrollgruppe. Als die Studie im September 2012 in der Zeitschrift FCT erschien, erhob sich ein Proteststurm gentechnikfreundlicher Wissenschaftler und Organisationen.

Die auf der Webseite der Kanzlei veröffentlichten Mails und Papiere belegen, dass Monsanto diesen Sturm aktiv anfachte. Bereits kurz nachdem die Studie erschienen war, stand der Konzern mit dem Herausgeber in Kontakt. Dieser habe – so geben es Monsanto-Angestellte wieder – darauf hingewiesen, dass er Stellungnahmen von Wissenschaftlern brauche, um gegen die Studie vorgehen zu können. Also bewegte ein Monsanto-Angestellter zahlreiche Wissenschaftler dazu, Protestbriefe an den Herausgeber der Zeitschrift FCT zu schreiben. Diese Briefe sollten die zahlreichen Schwächen und Fehler beleuchten, die die Studie nach Ansicht Monsantos enthielt. Sie dienten dem Journal als Grundlage dafür, die Studie einer erneuten Begutachtung zu unterziehen und sie schließlich Ende 2013 zurückzuziehen. Schon damals vermuteten Gentechnik-Kritiker eine Einflußnahme des Konzerns. Durch die nun veröffentlichten Akten ist sie belegbar.

Neu ist darin, dass Monsanto im Sommer 2012 mit dem Herausgeber von FCT einen Beratervertrag abgeschlossen hatte. Er sollte ein Expertennetzwerk in Südamerika betreuen. Stundensatz 400 US-Dollar, maximale Gesamtsumme 16.000 Dollar. Die Klägeranwälte sehen darin einen klaren Interessenkonflikt, schließlich sorgte der Monsantoberater anschließend als Herausgeber dafür, dass eine Monsanto-kritische Studie aus seiner Zeitschrift wieder verschwand.

Die Séralini-Studie wurde übrigens im Sommer 2014 von einer anderen Fachzeitschrift erneut veröffentlicht. [lf]

01.08.2017 |

Überlastete Erde: nachhaltig nutzbare Ressourcen am 2. August aufgebraucht

Erde
Die Ressourcen für 2017 sind weg (Foto: CC0)

Am 2. August sind die nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für 2017 aufgebraucht: Für den Rest des Jahres lebt die Weltbevölkerung wieder auf Pump und belastet die Erde stärker, als sie sich regenerieren kann. Darauf machen INKOTA, Germanwatch, die BUNDjugend, FairBindung und die Naturschutzjugend aufmerksam. Die Organisationen haben Daten des Global Footprint Network ausgewertet, das sowohl für einzelne Länder als auch die Welt insgesamt berechnet, wann die natürliche Belastungsgrenze der Erde erreicht ist – das heißt die Ressourcen verbraucht sind, die rein rechnerisch im gesamten Jahr nachhaltig genutzt werden könnten. Dabei wird der Bedarf an Acker-, Weide- und Bauflächen, die Entnahme von Holz, Fasern oder Fisch, aber auch die Belastung durch den Ausstoß von CO2 oder die Müllproduktion berücksichtigt.

Während die Menschheit im Jahr 2000 am 23. September und 1980 sogar erst am 4. November über ihre Verhältnisse lebte, sind die Ressourcen dieses Jahr so früh erschöpft wie noch nie – 6 Tage früher als noch 2016. Die Ausbeutung der Ressourcen nimmt also weiterhin an Fahrt auf. Die Menschheit beansprucht mittlerweile rein rechnerisch 1,7 Erden, um ihren Bedarf an Rohstoffen, Ackerland, Wasser und Wäldern zu decken – auf Kosten künftiger Generationen. „Die Erde ist kein Online-Shop mit scheinbar unbegrenztem Angebot. Jetzt ist der Laden leer. Alles, was wir nun verbrauchen, ist Diebstahl an künftigen Generationen. Es ist Aufgabe der Politik, das zu verhindern“, kritisiert Christoph Röttgers von der Naturschutzjugend. Würden alle Länder der Welt so wirtschaften wie Deutschland, wären sogar 3,2 Planeten nötig. Der deutsche Erdüberlastungstag wurde bereits am 24. April 2017 erreicht. „Vor allem in den Bereichen Verkehr, Energieversorgung und Landwirtschaft ist Deutschland alles andere als ein umweltbewusster Vorreiter. Das muss sich dringend ändern, damit wir die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreichen können“, betont Lena Michelsen vom INKOTA-netzwerk. Deutschland hat sich mit den 2015 verabschiedeten Sustainable Development Goals (SDGs) zu mehr Nachhaltigkeit verpflichtet. Dies betrifft nicht nur das 12. SDG, das nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster anstrebt, sondern erstreckt sich auf alle 17 Ziele.

Noch verschwenderischer mit den natürlichen Ressourcen als Deutschland gehen Australien und die USA um: Würde die gesamte Welt diesen Konsum- und Lebensstil übernehmen, wären 5,2 bzw. 5,0 Erden notwendig, Südkorea und Russland beanspruchen 3,4 Erden. Indien hingegen verbraucht rein rechnerisch nur 0,8 Erden. Doch das Global Footprint Network zeigt sich optimistisch, dass der Trend des steigenden Ressourcenverbrauchs umkehrbar ist. Wenn es gelingen würde, jedes Jahr den Erdüberlastungstag um 4,5 Tage in die Zukunft zu schieben, würde die Menschheit bis 2050 wieder innerhalb der Kapazitäten der Erde leben. „Unser Planet ist endlich, aber unsere Möglichkeiten sind es nicht“, betonte Dr. Mathis Wackernagel, Leiter des Global Footprint Network und Entwickler des Ökologischen Fußabdrucks. „Innerhalb des Ressourcenbudgets unseres Planeten zu leben ist nicht nur technologisch machbar, sondern auch finanziell von Vorteil. Es ist unsere einzige Chance für eine blühende Zukunft“, so Wackernagel. Würde zum Beispiel die Lebensmittelverschwendung weltweit halbiert werden, würde sich das Datum des Erdüberlastungstages um 11 Tage im Kalender nach hinten verschieben. Eine Halbierung des CO2-Ausstoßes würde sogar 89 Tage einbringen. (ab)

27.07.2017 |

In Brasilien darf jetzt Gentech-Zuckerrohr angebaut werden

Zuckerrohr
Brasilien: Zuckerrohr soweit das Auge reicht (Foto: Johnmcq)

Die brasilianische Gentechnik-Behörde CTNBio hat eine gentechnisch veränderte (gv) Zuckerrohr-Sorte des brasilianischen Zentrums für Zuckerrohrtechnologie (Centro de Tecnologia Canavieira, CTC) zugelassen. Das meldete die Agentur Reuters. Das gv-Zuckerrohr produziert in Blättern und Stängel ein Gift, das die Larven des Zuckerrohrbohrers abtöten soll, sobald diese sich über die Pflanzen hermachen. Dieses Bt-Toxin findet sich auch häufig in gentechnisch veränderten Mais- und Baumwollpflanzen.

In Brasilien wird auf zehn Millionen Hektar Zuckerrohr angebaut. Der daraus hergestellte Zucker dient als Nahrungsmittel ebenso wie als Basis für die Produktion von Ethanol als Treibstoff. Den Zucker exportiert Brasilien laut Reuters in 150 Länder. CTC habe bereits Importzulassungen für die USA und Kanada beantragt und wolle entsprechende Anträge auch in China, Indien, Japan, Russland, Südkorea und Indonesien stellen. Die EU findet sich nicht auf dieser Liste. CTC wolle die ersten Setzlinge nächstes Jahr auf den Markt bringen und es werde mindestens noch drei Jahre dauern, bis daraus gewonnener Zucker verkauft würde, zitiert Reuters den Geschäftsführer von CTC, Gustavo Leite. Die Zulassung durch CTNBio erfolgte übrigens zügig: Eingereicht hatte CTC der Meldung zufolge die Antragsunterlagen im Dezember 2015.

Der Zuckerrohr-Industrieverband Unica begrüßte die Zulassung und bezifferte die Schäden durch den Zuckerrohrbohrer mit etwa fünf Milliarden Real jährlich, das sind 1,3 Milliarden Euro. In der Unica-Meldung kündigt der CTC-Geschäftsführer an, in den nächsten Jahren ein Portfolio an resistenten Sorten zu entwickeln, die an die jeweiligen regionalen Anbaubedingungen angepasst seien. Zudem wolle er Zuckerrohr auch mit anderen Schädlingsresistenzen und Herbizidtoleranzen ausstatten. Schon seit sieben Jahren arbeitet CTC mit BASF an gv-Zuckerrohr, das mit weniger Wasser auskommt und mit Bayer an Pflanzen mit höherem Zuckergehalt.

In einer Meldung des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) kommentiert Augusto Freire von der brasilianischen ProTerra-Stiftung die Entwicklung. Er rechnet nicht mit einer raschen Verbreitung, da Zuckerrohr in Zyklen von fünf bis sieben Jahren angebaut werde. Zumindest die Zuckerverarbeiter im Nordosten des Landes stünden den Gentechnik-Pflanzen positiv gegenüber, sagte Freire dem VLOG. Eine Auskreuzung auf dem Feld halte er für eher unwahrscheinlich, da das Zuckerrohr aus Ertrags- und Qualitätsgründen üblicherweise vor der Blüte geschnitten werde. [lf]

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern!

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Königswusterhausen ruft!

Weltackerpaten gesucht

Damit unser 2000m² Weltacker auf der internationalen Gartenausstellung 2017 erblühen kann, braucht er Patinnen und Paten. Bitte machen Sie mit im vielleicht coolsten Garten-Club von Berlin Marzahn. Schauen Sie hier nach wer schon alles dabei ist.

Saatgut-Spende für Syrien

Hundertausende Menschen hungern in belagerten Städten in Syrien. Wir sammeln samenfestes Saatgut für Urban Farming Projekte von 15th Garden. Bitte kontaktieren Sie uns per Email.