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Save Our Seeds

"Save Our Seeds" startete 2002 als Initiative zur Reinhaltung des Saatguts von Gentechnik. Mittlerweile betreiben wir viele weitere Projekte für Saatgutvielfalt, nachhaltige Landwirtschaft und globale Ernährung. mehr


Elefantenhochzeiten in Brüssel

Drei große Übernahmen sollen das globale Saatgut- und Pestizidgeschäft endgültig in ein Oligopol verwandeln: Dow und Dupont/Pioneer, ChemChina und Syngenta (von der EU-Kommission bereits durchgewunken) und "Baysanto", Bayer und Monsanto. Nicht nur das gegenwärtige Marktgeschehen würden diese Elefanten dominieren, sondern mehr noch die künftige Saatgut- und Agrarentwicklung. Gegen die Patentabteilungen dieser neuen Oligarchen ließe sich kaum noch ein Produkt auf den Markt bringen.

So werden Forschung und Entwicklung sich kaum auf einen Abschied von Pestiziden und nachhaltige Agrarsysteme konzentrierten. Deshalb fordert "Save Our Seeds" zusammen mit 200 Organisationen aus ganz Europa in einem offenen Brief EU-Kommission auf, diese Megafusionen zu unterbinden. Bisher hat sich die EU-Kommissarin lediglich zu einer "intensiven Prüfung" von Baysanto überreden lassen, die den Fall fürs Erste verzögert.  Offener Brief mit Unterzeichnern in Englisch  Deutsche Übersetzung

Mehr im Infodienst zu Dupont & Dow

Mehr im Infodienst zu ChemChina & Syngenta

Wenn Saatgut und Pestizide heiraten - Vorher - Nachher Quelle: Konzernatlas


CRISPR-Cas – Gentechnik oder „natürliche Mutation“?

Bild: Thomas Splettstoesser (www.scistyle.com) CC-BY-SA 4.0

 Eine neue Methode, die es kurz gesagt erlaubt, mit Hilfe einer Immunreaktion gezielt an bestimmten Orten der DNA Abschnitte stillzulegen oder neue Abschnitte einzufügen, macht derzeit Furore in der Wissenschaft, unter Pharma- und Agrarunternehmen und in den nachgelagerten Bereichen des Patentrechts, der Politik und der Verbände. Ihr Acronym CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Pallindormic Repeats) ist für viele gleichbedeutend mit einer neuen Ära der, ja was nun, Gentechnik, „Neuen Züchtungsmethoden“ oder des Gene Editing?

Die Diskussionen und Hoffnungen, aber auch einige Befürchtungen erinnern frappierend an die die Anfänge der Diskussion über „Chancen und Risiken“ der ersten Formen von Gentechnik in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Einige Wissenschaftler/innen wittern aufgrund der neuen Methode eine einmalige Chance, die Methode überhaupt nicht als Gentechnik zu definieren oder aber nur bestimmte Ergebnisse der Methode zu Gentechnik, andere dagegen zu natürlichen Mutationen zu erklären. So könnte ihre Anwendung, sowohl in der Medizin als auch in der Landwirtschaft von lästig erscheinenden Risikobewertungen und Zulassungsverfahren ausgnommen werden. Andere CRISPR-Fans argumentieren gegen eine Regulierung der Verfahren mit dem Argument, ihre Anwendung sei im „Endprodukt“ dem erfolgreich veränderten Organismus nicht mehr zweifelsfrei nachweisbar. Deshalb könnten sie auch nicht kontrolliert und gesetzlich reguliert werden.

Viele Nichtregierungsorganisationen, auch Save Our Seeds, halten dies für den denkbar schlechtesten Einstieg in die Diskussion über Chancen und Risiken von CRISPR-Cas und fordern kompromisslose Transparenz, Kennzeichnung, Risikobewertung und entsprechende Wahlfreiheit für Landwirt/innen und Verbraucher/innen ob sie CRISPR Produkte einsetzen und verzehren wollen.

„Natürlich handelt es sich hier um Gentechnik!“ stellte Benny Haerlin von „Save Our Seeds“ klar: Nichts würde die Diskussion über Chancen und Risiken neuer gentechnischer Methoden von Anfang an mehr vergiften als der Versuch, sie einfach aus dem Geltungsbereich des Gentechnikgesetzes bzw. der entsprechenden Richtlinien der Europäischen Union „hinauszudefinieren“.

Eine starke Lobby aus interessierten Wissenschaftlern und Forschungsinstitutionen verfolgt offensichtlich genau diese Strategie. Ein entsprechend einseitiger Entwurf eines gemeinsamen wissenschaftlichen Berichts zu den neuen Techniken in der Pflanzenzüchtung und der Tierzucht aller Fachbehörden des Landwirtschaftsministeriums kann bis zum 13. Oktober kommentiert werden. Eine wissenschaftliche und eine rechtliche Stellungnahme des Bundesamts für Naturschutz (BfN, dem Umweltministerium unterstellt) wird dabei weitgehend ignoriert. Bei einer Konferenz der EU-Kommission zur "verantwortungsvollen Nutzung neuer Technologien in der Landwirtschaft" Ende September werden die Sichtweisen deutlich aufeinanderprallen - diesmal sogar life und online.

Gemeinsame NGO-Pressemitteilung „Vorsorge statt Aufweichung“  Mehr zum Thema bei unserem Informationsdienst Gentechnik


Mit "Gene Drive" in die ökologische Katastrophe?

Kann das weg? Beispiel Tse-Tse Fliege Foto: Bernskbarn, CC-BY-SA 4.0

+++ UPDATE: Das von uns zusammen mit 160 NGOs geforderte  Moratorium für "Gene-Drive" Techniken ´wurde bei der CBD, in Cancun leider nicht beschlossen. Lediglich zur "Vorsicht" haben die Delegierten beim Einsatz neuer Gentechniken und auch von Gene Drives aufgerufen. +++ In einem globalen und einem nationalen Appell an Umweltministerin Hendricks forderte SOS mit verschiedenen Umweltverbänden, die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen zum Zwecke der Manipulation der Umwelt weltweit zu ächten. Doch die Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) vom 4.-17. Dezember in Mexiko forderte leider nicht - wie die Internationale Naturschutzunion IUCN - einVerbot sogenannter "Gene Drives", die die Vererbung genetischer Eigenschaften unnatürlich schnell erzwingen und so in kurzer Zeit zum Aussterben von Arten führen können.

Umweltministerin Barbara Hendricks antwortete auf unseren ersten Brief "Eine Freisetzung von Organismen, bei denen "Gene Drive" verwendet wird, halte ich aus ökologischer Sicht zurzeit für nicht vertretbar." -Gemeinsam fordern die Verbände ein Verbot der Freisetzung, des Imports und des kommerziellen Anbaus von gentechnisch veränderten Organismen, wenn sich diese in natürlichen Populationen auskreuzen und ausbreiten können. Die neuen mit Hilfe des sogenannten CRISPR-Cas Verfahrens erzeugten Organismen sind nicht länger Kulturpflanzen oder Nutztiere, sondern Wildformen, deren Art auf diese Weise ausgerottet werden soll. Zu den Spitzenkandidat*innen auf der Todesliste gehören beispielsweise die Amopheles-Mücke, die Malaria übertragen kann und andere Insekten. Aber auch gewisse "Un"kräuter könnten demnächst auf der "Das kann weg Liste"  von Forscher*innen und Unternehmen stehen. 

Christoph Then von testbiotech bezeichnete Gene Drives als ein Art Eingriff in die Keimbahn der Evolution. Benny Haerlin von SOS forderte ein internationales Verbot bevor es zu spät ist und Heike Moldenhauer vom BUND warnte vor möglichen ökologischen Katastrophen.

Offener Brief der Verbände an Barbara Hendricks


Teosinte-Hybrid in Spanien kann Gentechnik verbreiten

Auf den ersten Blick ist sie kaum als Urform des heutigen Mais zu erkennen. Die Teosinte stammt aus Mexiko, der Heimat aller Maissorten. Dass aus dem mickrigen Gras vor ca. 9000 Jahren das Grundnahrungsmittel Lateinamerikas entstand, gilt als eine Art Weltwunder. Noch heute kreuzt sie sich in Mexiko mit ihren "dicken Kindern". In Spanien, dem einzigem EU-Land mit kommerziellem Gentech-Maisanbau, tauchte nun eine "Monstervariante" von Teosinte auf, die sich durch gewaltige Größe und aggressive Fruchtbarkeit auszeichnet. Sie ist nicht nur ein zunehmendes Unkrautproblem auf Maisfeldern, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Über sie kann die Insekten vernichtende Gentechnik-Wirkung auswildern, überwintern und in gentechnikfreie Mais-Bestände einkreuzen.Save Our Seeds hat zusammen mit anderen Organisationen eine Studie in Auftrag gegeben, die im Mai 2017 bei nature scientific reports veröffentlicht wurde.

Die NGOs haben an die spanische Regierung und die EU-Kommission geschrieben. Die haben mittlerweile zwar das Problem, das lange geheim gehalten worden war, zwar bestätigt. Sie sehen aber dennoch keinen Handlungsbedarf! Mehr zur Teosinte bei unserem Partner Testbiotech



Regenerative Landwirtschaft - Humus gegen Klimawandel

Foto: NOAA / National Weather Service

Die von SOS übersetzte Studie "Regeneration von Böden und Ökosystemen: Ein Weg zur Begrenzung des Klimawandels" des spanischen Agrarberaters Íñigo Alvarez de Toledo beschreibt detailliert und mit vielen Beispielen, wie Landwirtschaft durch Humusaufbau mund Kohlenstoffspeicherung einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung des Klimaproblems leisten kann.  Regeneration International ist auch ein globaler Verein mit dem Motto: „Put the carbon back in to the soil“, packt den Kohlenstoff zurück in den Boden. An seiner Gründung waren wir bereits 2015 in Costa Rica beteiligt. Kurzfassung (deutsch) Langfassung (deutsch) Langfassung (englisch)


Nachrichten

02.12.2016 |

Protestaktion: Minister Schmidt gießt GVO-Mais. (Foto: privat)
Protestaktion: Minister Schmidt gießt GVO-Mais. (Foto: privat)

SPD-Fraktion fordert Änderungen am Gentechnikgesetz

UPDATE +++ Die SPD-Fraktion im Bundestag will den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Gentechnikgesetz in der aktuellen Form nicht mittragen. Die Regelungen seien „kompliziert, zeitaufwändig und störanfällig“, kritisierte die SPD-Abgeordnete Elvira Drobinski-Weiß heute bei der ersten Lesung des Entwurfs im Bundestag. Auch VertreterInnen von Linken und Grünen halten den Entwurf für ungeeignet, für das angestrebte bundesweite Anbauverbot von Gentech-Pflanzen (GVO) zu sorgen. Das Gesetz, das die große Koalition im Frühjahr 2017 verabschieden will, wurde zur weiteren Beratung an die Ausschüsse verwiesen.

Die SPD-Fraktion fordert, unter anderem folgende Punkte zu ändern:

1) Bundeslandwirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium sollen allein über Anbauverbote entscheiden können, ohne vier weitere Ministerien zu beteiligen.

2) Der Bund soll sich stärker an der Begründung der Anbauverbote beteiligen, statt die Länder damit alleine zu lassen.

3) Nicht nur für den Ausstieg aus, auch für den Wiedereinstieg in den kommerziellen Anbau von GVO muss eine Mehrheit der Länder stimmen.

4) Neue Gentechnik-Technologien sollen im Sinne des Vorsorgeprinzips reguliert werden.

Der SPD-Abgeordnete Matthias Miersch verwies darauf, dass noch keine EU-Institution das von der Industrie forcierte „Innovationsprinzip“ aufgriffen habe. Nur der Bundesagrarminister habe es im Gesetzentwurf dem europarechtlichen Vorsorgeprinzip gegenüber gestellt. „Wir hoffen, dass wir noch gemeinsam zu einer Lösung kommen“, sagte Drobinski-Weiß und erwartete „konstruktive Gespräche“ mit der CDU. Das Gesetz war im Blick auf die 2017 endende Legislaturperiode als eilbedürftig eingestuft worden.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) verteidigte erneut seinen Entwurf. Es sei sein Ziel, den GVO-Anbau in Deutschland rechtssicher und flächendeckend zu untersagen. Das Mitbestimmungsrecht der Länder sei ein Kernelement seines Entwurfs. Bereits im Oktober hatten jedoch zehn Bundesländer in einem offenen Brief an Minister Schmidt moniert, dass er sich über einen von Bund und Ländern vereinbarten Kompromiss aus dem Frühjahr hinweggesetzt habe. Sie hatten den Bundesagrarminister aufgefordert, den Entwurf nachzubessern – bislang vergeblich.

Die Kritik der Länder wie auch von Verbänden und Opposition richtet sich vor allem gegen das komplizierte Verfahren für ein GVO-Verbot. So braucht Minister Schmidt nur dann tätig zu werden, wenn zwei Drittel der Bundesländer und fünf Ministerien das wollen. Und obwohl vom EU-Recht nicht verlangt, müssen von den Ländern schon zwingende Gründe genannt werden, wenn der Hersteller einer Gentechnik-Pflanze nur aufgefordert werden soll, Deutschland freiwillig aus seinem Zulassungsantrag auszunehmen. Diese Voraussetzungen sind nach Meinung der Kritiker innerhalb der engen EU-rechtlichen Fristen kaum zu erfüllen.

Kommt ein bundesweites Verbot nicht zustande, können die Bundesländer nach dem Regierungsentwurf einzeln GVO-Verbote für ihr Territorium erlassen. Das führt jedoch nahezu zwangsläufig zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen im Bundesgebiet, der vor allem Erzeuger von gentechnikfreien Lebens- und Futtermitteln vor unlösbare Probleme stellt. Denn Pollen und Samen gentechnisch veränderter Pflanzen würden durch Wind und Insekten verbreitet und machten an Landesgrenzen nicht halt, so der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft in seiner Stellungnahme.

Höchst umstritten ist schließlich eine Passage, die erst am 1. November in die Begründung eingefügt wurde - einen Tag bevor das Kabinett den Entwurf verabschiedete. Danach müssen Organismen, die mit neuartigen Gentechnikverfahren wie CRISPR-Cas9 gewonnen wurden, nicht zwangsläufig als GVO gewertet werden. Ob sie unter das Gentechnikrecht fallen, sei im Einzelfall prozess- und produktbezogen zu bewerten, heißt es in dem Einschub.

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth (SPD), hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters zwischenzeitlich klargestellt, dass es nicht darauf ankommen könne, ob ein gentechnischer Eingriff anschließend noch zu erkennen sei. Entscheidend für die Frage, ob ein Organismus unter das Gentechnikrecht falle, sei der Eingriff mittels gentechnischer Verfahren. Darunter fielen auch die neuen Techniken wie CRISPR-Cas9, so Flasbarth.

Das Gentechnikgesetz muss ergänzt werden, da die Europäische Union im vergangenen Jahr die Möglichkeit eingeführt hat, dass einzelne Mitgliedsstaaten für ihr Territorium den Anbau von GVO verbieten können (sog. „Opt out“). Nach der 1. Lesung im Bundestag und der Stellungnahme des Bundesrats am 16.12. wird es am 16. Januar 2017 eine öffentliche Anhörung im Agrarausschuss des Bundestages geben. Die zweite Lesung im Bundestag folgt voraussichtlich im Februar. Dann soll nach dem Willen der Grünen auch der Gesetzentwurf des Bundesrats zum Gentechnikgesetz aus 2015 beraten werden, den die Fraktion alternativ in den Bundestag eingebracht hatte. Sollte es größere Änderungen am Regierungsentwurf geben, müsste das Kabinett ein zweites Mal darüber entscheiden. Bislang geht der Agrarminister davon aus, dass das geänderte Gentechnikgesetz im Februar 2017 verabschiedet werden kann. [vef]

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