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Save Our Seeds

"Save Our Seeds" startete 2002 als Initiative zur Reinhaltung des Saatguts von Gentechnik. Mittlerweile betreiben wir viele weitere Projekte für Saatgutvielfalt, nachhaltige Landwirtschaft und globale Ernährung. mehr


Gentechnikfreie Regionen Europas

Am 6. und 7. September treffen sich in Berlin die gentechnikfreien Regionen Europas zum neunten Mal seit 2005. Der offizielle Teil wird von Hessen ausgerichtet. Dessen Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser ist derzeit Präsidentin des GMO Free Netzwerks von 64 Regionalregierungen der EU. Den NGO-Teil des Treffens richtet einmal mehr und mit ungebrochenem Vergnügen "Save Our Seeds" aus, diesmal in der Heinrich Böll Stiftung. Zentrale Themen an beiden Tagen: CRISPR-Cas und "Gene Drives". Am Vorabend der Konferenz geht es bei einer öffentliche Debatte mit 5 internationalen hochkarätigen Wissenschaftler*innen um die provokante Frage was die Gentechnik mit des Kaisers neuen Kleidern zu tun hat. Hier das ganze Programm im Überblick.

EuGH: CRISPR ist Gentechnik

Kollegium des EuGH, Bild: Europäischer Gerichtshof

Der Europäische Gerichtshof hat gesprochen, klar und eindeutig: CRISPR-Cas ist Gentechnik im Sinne der EU-Gesetze. Ausgenommen von deren Regulierung sind ausschließlich alte Verfahren der Zufalls-Mutagenese mit Hilfe von Bestrahlung und Chemie, die bei der Verabschiedung der EU-Richtlinie bereits seit Jahrzehnten in Gebrauch waren.

Seit über einem Jahr war über diese Frage von verschiedenen Seiten mit wissenschaftlichen Gutachten, Kasuistik und bemerkenswerten Wortneuschöpfungen eine neue Gentechnik-Debatte entfacht worden: Ist CRISPR-Cas, sind andere Formen des sogenannten "gene editing" überhaupt noch Gentechnik, vielleicht nur unter ganz bestimmten Bedingungen und unter anderen nicht? Sind die neuesten Formen "naturidentischer Mutagenese" nicht im Grunde noch viel sicherer als natürliche Züchtungsverfahren? Die Dramaturgie der Kampagne spitzte alles auf das am 25. Juli nun entschiedene Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof zu. Dabei ging es hier ursprünglich gar nicht um CRISPR-Cas, sondern darum wie bestimmte Formen traditioneller Mutagenese einzuschätzen sind. Ein schwer nachvollziehbares Playdoyer des Generalanwaltes Bobeck hatte Anfang des Jahres vielen Hoffnung gemacht, mit einer wilden Interpretation des Allerweltswortes "Mutagenese" den Gentechnikbegriff aus den Angeln heben zu können. Nun ist es anders gekommen und über den 15 EuGH Richter*innen ist nur noch der blaue Himmel: Berufung kann gegen ihr Urteil nicht eingelegt werden.

Auch die Regierungsparteien in Deutschland wollen laut Koalitionsvertrag nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes "auf europäischer und gegebenenfalls nationaler Ebene Regelungen vornehmen, die das Vorsorgeprinzip und die Wahlfreiheit gewährleisten".Dazu besteht nun Gelegenheit. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, bei dem bereits einige Anträge für den Einsatz von CRISPR und anderen "gene editing" Verfahren auf dem Tisch liegen, gehörte bisher zu den aktiven Verfechtern der These, hier handle es sich nicht um Gentechnik. Mit besonderem Gusto betonten einige Vertreter des Amtes und anderer Institutionen, eigentlich könne man den Einsatz der "Genschere" gar nicht nachweisen, sie allein schon deshalb kaum regulieren.  Wir sind gespannt auf ihre Reaktionen und weiteren Bemühungen, Recht und Gesetz auch technisch einzuhalten.

Der heilsame Effekt des EUGH-Urteils ist, dass es Hintertürchen-Politik und Grauzonen bei der Gentechnikfrage verhindert. Die logische Konsequenz für die Bayer-AG, die hierzulande bereits die meisten CRISPR-Patente hält, wird sein, dass sie, nachdem dessen Uminterpretation misslungen ist, nun auf eine Änderung des europäischen Gentechnikrechtes drängen wird. Mit den gleichen Argumenten, die schon vor 30 Jahren zum Thema Gentechnik zu hören waren: Es gebe in Wahrheit keinen Unterschied zwischen bisheriger Züchtung und diesen neuen, "viel präsziseren" Formen der genetischen Veränderung.

Sich dieser Debatte erneut zu stellen, schadet weder der Wissenschaft noch dem Umwelt- und Verbraucherschutz. Sie bringt selbst die etwas verdruckste Initiative des Grünen-Vorstandes, der im Rahmen der Programmdebatte bestimmte neue Techniken für bestimmte Zwecke dann für denkbar hält, wenn gewisse Utopien gewährleistet würden, auf den einfachen Punkt: Nicht "ist das Gentechnik oder was anderes", sondern "wollen wir Gentechnik einsetzen" und wenn ja wofür ist hier die Frage. 

"Wir begrüßen das Urteil des EuGH als einen Sieg des gesunden Menschenverstandes, der wissenschaftlichen Redlichkeit und als eine heilsame Absage an semantische Manipulationsversuche in einer offensichtlich interessengeleiteten Diskussion über den Umgang mit Technologien und ihren Risiken," sagte Benny Haerlin von Save Our Seeds, "und wir stellen uns nun auf eine neue Gentechnikdebatte mit der Bayer-AG und einer breiten Palette von Freundinnen und Freunden der neuen Technologien ein. Das Urteil des EuGH gibt dieser Auseinandersetzung eine solide Grundlage."

CRISPR ist eine neue Methode, die es kurz gesagt erlaubt, mit Hilfe einer Immunreaktion gezielt an ganz bestimmten Orten der DNA diese zu schneiden und anschließend einzelne Basenpaare zu verändern, Abschnitte stillzulegen oder auch neue Abschnitte einzufügen, macht seit einiger Zeit Furore in der Wissenschaft, unter Pharma- und Agrarunternehmen und in  der Politik. Ihr Acronym CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Pallindormic Repeats) ist für viele gleichbedeutend mit einer neuen Ära dere genetischen Veränderung.

Eine gute Erklärung der Technologie findet sich bei der neuen Fachstelle Gentechnik und Umwelt.

Viele Nichtregierungsorganisationen, auch Save Our Seeds, hatten in einer gemeinsamen Resolution bereits im Vorfeld des Urteils an die Bundesregierung apelliert, dem Vorsorgeprinzip treu zu bleiben. Mehr dazu auch beim Informationsdienst Gentechnik.

Keine Nationalisierung der EU Agrarpolitik!

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU gehört mit einem Budget von über 50 Milliarden € zu den Grundpfeilern der Union. Die Vorschläge von Agrarkommisar Hogan zu ihrer Reform laufen auf eine weitere "Nationalisierung" hinaus: Die Regierungen könnten je nach interner Macht- und Interessenlage die Gelder nach ihrem Gusto einsetzen. Umweltschutz, Klimaschutz, Biodiversität und der Schutz kleiner Betriebe bliebe auf der Strecke. Gespart würde an den gezielten Maßnahmen, statt bei den Pauschalbeträgen. Das haben 16 Agrar- und Umweltverbände, darunter auch die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, am 3. Juli in einem offenen Brief an die Agrarminister*innen der Bundesländer und Frau Klöckner scharf kritisiert. Sie sollen auf eine möglichst zielgerichtete, faire Politik drängen, die Umwelt- und Sozialdumping innerhalb der EU verhindert. Offener Brief der Verbände-Plattform

"Baysantos" Monopole & Patente

"Eine kleine Anzahl von Firmen erlangt zunehmend Kontrolle über die Grundlagen unserer Ernährung. Sie können maßgeblich beeinflussen, welche Pflanzen gezüchtet, angebaut und geerntet werden, was Saatgut kostet und wie unsere Lebensmittel in Zukunft produziert werden," heißt es in einem gemeinsamen Aufruf, in dem SOS zusammen mit 40 weiteren Organisationen vor der schönen neuen Patentwelt von "Baysanto" warnt, "Diese Marktmacht basiert zu großen Teilen auf (...) Patenten, die Saatgut, Nutzpflanzen und die Ernte bis hin zum Lebensmittel umfassen." Wir fordern deshalb, wenigstens Patente auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen endlich wirksam zu verbieten.

Um der Monopolisierung von Saatgut effektiv entgegen zu steuern, appellieren die unterzeichnenden Organisationen an die europäische Politik, nicht länger zuzulassen, dass das Europäische Patentamt (EPA) die Grundlagen unserer Ernährung ausverkauft. Während das Europäische Patentrecht die Patentierung von Pflanzensorten und von "im Wesentlichen biologischer" Züchtung verbietet, erteilt das EPA laufend weitere Patente auf Pflanzen, Saatgut und Züchtungsmaterial, auch im Bereich der konventionellen Züchtung. Zudem sind Patente, die im Bereich Gentechnik erteilt werden, nicht auf bestimmte Verfahren beschränkt, sondern umfassen alle Pflanzen mit den im Patent beschriebenen Eigenschaften.

Sämtliche demokratischen Parteien im Bundestag, das Europäische Parlament und berufständische Organisationen wie der deutsche Bauernverband und sein EU-Dachverband sprechen sich regelmäßig gegen Patente auf Pflanzen und Tiere. Dennoch wird die juristische Realität weiter von einem kleinen Kreis von internationalen Patentanwaltskanzleien und den Richtern des Europäischen Patentamtes, das keiner parlamentarischen Kontrolle untersteht, in eine gänzlich andere Richtung fortentwickelt. Miteiner Flut von Patenten und jahrelangen, extrem kostspieligen Einzelprozessen weiten Großkonzerne und ihre Anwaltfabriken ihren  Anspruch auf "geistiges Eigentum" an der Natur systematisch aus. "Wenn die Politik zu schwach oder unwillig ist, diesen Anmaßungen endlich einen effektiven Riegel vorzuschieben, werden die Saatgut-Oligarchen von Baysanto, Sygenta/ChemChina und DuPont/Dow bald eine totale Kontrolle über Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Saatgut und dessen Produkte erlangen," warnt Benny Haerlin von Save Our Seeds.

Neue Fachstelle Gentechnik und Umwelt

Eine neue  "Fachstelle Gentechnik und Umwelt" (FGU) hat sich im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie soll unabhängige wissenschaftliche Expertise zur Gentechnik, insbesondere neuen Gentechnikverfahren zur Verfügung stellen und vor allem Fragen des vorsorgenden Umweltschutzes bearbeiten. Ihre wissenschaftlichen Antworten sind unabhängig von Unternehmen und Institutionen, die diese Technologie einführen wollen, aber auch von den NGOs, deren Fragen sie beantworten soll und die in ihrem Beirat sitzen. Zu ihnen gehört auch "Save Our Seeds". Finanziert wird das Forschungsprojekt vom Bundesministerium für Umwelt. Besetzt ist die Stelle von der Mikrobiologin Dr. Katharina Kawall, die bis vor kurzem am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin forschte, an dem auch die CRISPR-Cas "Entdeckerin" Emanuelle Charpentier, arbeitet. Pressemitteilung

Mutation, Gentechnik oder beides?

Generalanwalt Bobek liest vor, Foto: EuGH

Der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof, Bobek, hat im Januar 2018 in einem lange erwarteten Plädoyer seine Stellungnahme dazu abgegeben in welchem Verhältnis das EU Gentechnikgesetz  „Mutagenese“ und gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zueinander sieht. Bobeks kuriose Interpretation lautet: Mutagenese kann zwar Gentechnik sein, ihre Produkte können aber dennoch von der Prüfung, Zulassung und Kennzeichnungspflicht der Europäischen Gentechnik-Richtlinie ausgeschlossen werden.

Mutagenese ist die Herbeiführung von punktuellen Veränderungen der Erbsubstanz DNA, wie sie auch in der Natur stattfinden. Sie wird seit langem chemisch und durch Bestrahlung ungezielt herbeigeführt, um aus den entstehenden Mutanten interessante Abweichung auszulesen und in der Züchtung einzusetzen. Die Ergebnisse dieser ungezielten Mutagenese wurden bei der Verabschiedung der Richtlinie und ihrer Vorgängerin im Jahre 1990 in einem Anhang explizit von den Vorschriften des Gentechnikgesetzes ausgenommen.

Einige neue Gentechnikverfahren, insbesondere auch CRISPR-Cas, beruhen nicht auf der Einführung von fremdem Erbgut in die DNA, sondern führen mehr oder weniger punktgenaue Veränderungen („Punktmutationen“) der DNA herbei um so die Eigenschaften des Organismus gezielt zu verändern.

Der französische Staatsgerichtshof hatte nun, mit Bezug auf „alte“ Mutageneseverfahren gefragt, ob die EU-Gentechnik-Richtlinie 2001/18 Mutagenese grundsätzlich als Gentechnik betrachte oder ausschließe. Die Antwort des Staatsanwaltes, über die der Europäische Gerichtshof freilich erst noch befinden muss: Mutageneseverfahren sind zwar grundsätzlich gentechnische Verfahren, aber durch eine Ausnahmeregelung von den allgemein für gentechnisch veränderte Organismen geltenden Vorschriften zur Risikobewertung, gesonderten Zulassung und Kennzeichnung ausgenommen. Dies. so Staatsanwalt Bobek, gelte seiner Meinung nach für alle bisherigen und künftigen Formen der Mutagenese.

Wissenschaftler und Unternehmen, die sich der neuen Verfahren bedienen, könnten nun Hoffnung schöpfen, dass diese generell von den ihrer Meinung nach übertriebenen Gentechnikzulassungsverfahren ausgenommen werden. Allerdings prüfen die Rechtsgelehrten derzeit noch die 36 seitige Stellungnahme des EU-Juristen auf hre volle Bedeutung. Wann der Europäische Gerichtshof in dem Fall ein Urteil spricht, ist nicht bekannt. Häufig geschieht dies drei etwa Monate nach dem Plädoyer des Staatsanwaltes.

"Sollte der EuGH in der von Herrn Bobek anscheinend vorgeschlagenen Art tatsächlich das Gentechnikgesetz uminterpretieren," sagte Benny Haerlin von Save Our Seeds in einer spontanen, ersten Stellungnahme, "dann wäre der Gesetzgeber gefordert, dem Vorsorgeprinzip durch entsprechende Klarstellungen wiederGeltung zu verschaffen". Schließlich seien einige der neuen, sogenannten "gene editing" Methoden deutlich riskanter als manche "alte" Gentechnikanwendung.

Das Plädoyer von Herrn Bobek   

Pressemitteilung des EuGH

Bobek im Video

Elefantenhochzeiten in Brüssel

Drei große Übernahmen verwandeln derzeit das globale Saatgut- und Pestizidgeschäft endgültig in ein Oligopol: Dow und Dupont/Pioneer, ChemChina und Syngenta , Bayer und Monsanto. Nicht nur das gegenwärtige Marktgeschehen werden diese Elefanten dominieren, sondern mehr noch die künftige Saatgut- und Agrarentwicklung. Gegen die Patentabteilungen der neuen Saatgut-Oligarchen läßt sich künftig wohl nur noch schwer ein Produkt auf den Weltmarkt bringen.

Ihre Forschung und Entwicklung wird sich kaum auf einen Abschied von Pestiziden und auf nachhaltige Agrarsysteme konzentrierten. Deshalb forderte "Save Our Seeds" zusammen mit 200 Organisationen aus ganz Europa in einem offenen Brief die EU-Kommission auf, diese Megafusionen zu unterbinden. Leider vergebens. 
Offener Brief mit Unterzeichnern in Englisch  Deutsche Übersetzung


Wenn Saatgut und Pestizide heiraten - Vorher - Nachher Quelle: Konzernatlas



Mit "Gene Drive" in die ökologische Katastrophe?

Kann das weg? Beispiel Tse-Tse Fliege Foto: Bernskbarn, CC-BY-SA 4.0

+++ UPDATE: Das von uns zusammen mit 160 NGOs geforderte  Moratorium für "Gene-Drive" Techniken ´wurde bei der CBD, in Cancun leider nicht beschlossen. Lediglich zur "Vorsicht" haben die Delegierten beim Einsatz neuer Gentechniken und auch von Gene Drives aufgerufen. +++ In einem globalen und einem nationalen Appell an Umweltministerin Hendricks forderte SOS mit verschiedenen Umweltverbänden, die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen zum Zwecke der Manipulation der Umwelt weltweit zu ächten. Doch die Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) vom 4.-17. Dezember in Mexiko forderte leider nicht - wie die Internationale Naturschutzunion IUCN - einVerbot sogenannter "Gene Drives", die die Vererbung genetischer Eigenschaften unnatürlich schnell erzwingen und so in kurzer Zeit zum Aussterben von Arten führen können.

Umweltministerin Barbara Hendricks antwortete auf unseren ersten Brief "Eine Freisetzung von Organismen, bei denen "Gene Drive" verwendet wird, halte ich aus ökologischer Sicht zurzeit für nicht vertretbar." -Gemeinsam fordern die Verbände ein Verbot der Freisetzung, des Imports und des kommerziellen Anbaus von gentechnisch veränderten Organismen, wenn sich diese in natürlichen Populationen auskreuzen und ausbreiten können. Die neuen mit Hilfe des sogenannten CRISPR-Cas Verfahrens erzeugten Organismen sind nicht länger Kulturpflanzen oder Nutztiere, sondern Wildformen, deren Art auf diese Weise ausgerottet werden soll. Zu den Spitzenkandidat*innen auf der Todesliste gehören beispielsweise die Amopheles-Mücke, die Malaria übertragen kann und andere Insekten. Aber auch gewisse "Un"kräuter könnten demnächst auf der "Das kann weg Liste"  von Forscher*innen und Unternehmen stehen. 

Christoph Then von testbiotech bezeichnete Gene Drives als ein Art Eingriff in die Keimbahn der Evolution. Benny Haerlin von SOS forderte ein internationales Verbot bevor es zu spät ist und Heike Moldenhauer vom BUND warnte vor möglichen ökologischen Katastrophen.

Offener Brief der Verbände an Barbara Hendricks


Teosinte-Hybrid in Spanien kann Gentechnik verbreiten

Auf den ersten Blick ist sie kaum als Urform des heutigen Mais zu erkennen. Die Teosinte stammt aus Mexiko, der Heimat aller Maissorten. Dass aus dem mickrigen Gras vor ca. 9000 Jahren das Grundnahrungsmittel Lateinamerikas entstand, gilt als eine Art Weltwunder. Noch heute kreuzt sie sich in Mexiko mit ihren "dicken Kindern". In Spanien, dem einzigem EU-Land mit kommerziellem Gentech-Maisanbau, tauchte nun eine "Monstervariante" von Teosinte auf, die sich durch gewaltige Größe und aggressive Fruchtbarkeit auszeichnet. Sie ist nicht nur ein zunehmendes Unkrautproblem auf Maisfeldern, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Über sie kann die Insekten vernichtende Gentechnik-Wirkung auswildern, überwintern und in gentechnikfreie Mais-Bestände einkreuzen.Save Our Seeds hat zusammen mit anderen Organisationen eine Studie in Auftrag gegeben, die im Mai 2017 bei nature scientific reports veröffentlicht wurde.

Die NGOs haben an die spanische Regierung und die EU-Kommission geschrieben. Die haben mittlerweile zwar das Problem, das lange geheim gehalten worden war, zwar bestätigt. Sie sehen aber dennoch keinen Handlungsbedarf! Mehr zur Teosinte bei unserem Partner Testbiotech



Regenerative Landwirtschaft - Humus gegen Klimawandel

Foto: NOAA / National Weather Service

Die von SOS übersetzte Studie "Regeneration von Böden und Ökosystemen: Ein Weg zur Begrenzung des Klimawandels" des spanischen Agrarberaters Íñigo Alvarez de Toledo beschreibt detailliert und mit vielen Beispielen, wie Landwirtschaft durch Humusaufbau mund Kohlenstoffspeicherung einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung des Klimaproblems leisten kann.  Regeneration International ist auch ein globaler Verein mit dem Motto: „Put the carbon back in to the soil“, packt den Kohlenstoff zurück in den Boden. An seiner Gründung waren wir bereits 2015 in Costa Rica beteiligt. Kurzfassung (deutsch) Langfassung (deutsch) Langfassung (englisch)


Nachrichten

30.08.2017 |

Drei Bier! Foto: Deutscher Brauer-Bund e.V.
Drei Bier! Foto: Deutscher Brauer-Bund e.V.

Weniger Glyphosat in deutschem Bier

Die Bürger-Proteste zeigen Wirkung: Wie das Münchener Umweltinstitut mitteilte, ist der Glyphosat-Gehalt im deutschen Bier im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Die Brauereien hätten vermutlich besser auf reine Rohstoffe geachtet, so das Institut. Nach deutlich erhöhten Werten im vergangenen Jahr hatten sich 20.000 Menschen seiner Forderung angeschlossen, das Pestizid aus dem Bier zu verbannen.

Insgesamt 14 beliebte Biere hat das Umweltinstitut getestet. Während die durchschnittliche Belastung 2016 noch bei 7,6 Mikrogramm Glyphosat pro Liter Bier lag, waren es 2017 im Schnitt nur noch 1,7 Mikrogramm. Damit sind die Werte in gut einem Jahr um fast 80 Prozent gesunken. Der Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm pro Liter werde allerdings von allen getesteten Bieren überschritten, so das private Institut. Bei einer Biersorte wurden immer noch 5,1 Mikrogramm Glyphosat pro Liter gemessen.

„Offenbar passen einige Brauereien beim Einkauf von Braugerste heute besser auf“, erklärte Agrarreferent Karl Bär den Rückgang. Die Wege, auf denen das Glyphosat ins Bier gelangen kann, sind vielfältig. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist es zwar verboten, Braugerste noch so kurz vor der Ernte mit Glyphosat zu spritzen, dass es zu Rückständen kommen kann. Der deutsche Brauerbund (DBB) räumt jedoch ein, dass das Spritzmittel von benachbarten Äckern herüberwehen kann. Außerdem müsse mangels Angebot etwa die Hälfte der Gerste im Ausland gekauft werden, wo der Einsatz glyphosathaltiger Spritzmittel teilweise erlaubt sei. Hauptherkunftsländer sind nach Angaben des DBB Frankreich und Dänemark.

Brauerbund und BfR halten die gefundenen Glyphosat-Mengen für ungefährlich. Der DBB hält es auch für fragwürdig, auf das Bier den „Vorsorgewert“ für Trinkwasser anzuwenden. Der Verband misst die eingesetzten Malze lieber an der europarechtlich festgelegten Rückstandshöchstgrenze für Gerste. Sie beträgt 20 mg Glyphosat/kg und in Weizen 10 mg/kg. Die bei eigenen Überprüfungen in Einzelfällen gefundenen Belastungswerte lägen „um mehr als den Faktor 100“ darunter, so der DBB. Und davon gelangten wiederum nur wenige Prozent ins Bier.

Das Umweltinstitut verwies jedoch darauf, dass auch in Getreide und Backwaren bereits Glyphosat gefunden wurde. Das Gift kann sich also im menschlichen Körper aus mehreren Quellen sammeln. Agrarexperte Bär wundert das nicht: „Der verbreitete Einsatz von Glyphosat führt letztendlich dazu, dass das Pestizid über die Nahrung wieder bei uns Menschen landet.“ Deshalb fordert das Umweltinstitut die Bundesregierung auf, sich bei der anstehenden Abstimmung auf EU-Ebene für ein Verbot des Wirkstoffs einzusetzen. [vef]

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