Burkina Faso stoppt Target-Malaria-Projekt

Die Regie­rung von Bur­ki­na Faso hat den sofor­ti­gen Stopp der Tar­get-Mala­ria-Initia­ti­ve im Land ange­ord­net. Tar­get Mala­ria hat­te gera­de sei­nem zwei­ten Feld­ver­such mit gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mücken begon­nen, um Wis­sen und Erfah­rung zu sam­meln, bevor zu einem spä­te­ren Zeit­punkt gen­tech­nisch ver­än­der­te Mücken mit Gene Dri­ves frei­ge­setzt wer­den soll­ten.

Freisetzung von Gentechnik-Mücken abgebrochen

Am 22. August gab das Minis­te­ri­um für Hoch­schul­bil­dung und For­schung die Aus­set­zung „aller Akti­vi­tä­ten“ von Tar­get Mala­ria bekannt und ord­ne­te die Ver­nich­tung der ver­blei­ben­den Mücken­pro­ben an. Das Minis­te­ri­um füg­te hin­zu, dass die Ein­rich­tun­gen der Initia­ti­ve bereits am 18. August ver­sie­gelt wor­den sei­en.

Die Anord­nung erfolg­te kurz nach­dem Tar­get Mala­ria, in Zusam­men­ar­beit mit dem Insti­tut de Recher­che en Sci­en­ces de la San­té (IRSS), am 11. August einen Feld­ver­such im Dorf Sou­rou­kou­dingan in der Pro­vinz Hou­et begon­nen hat­te. Die frei­ge­setz­ten Mücken waren gen­tech­nisch so ver­än­dert, dass sie fast aus­schließ­lich männ­li­che Nach­kom­men her­vor­brin­gen soll­ten. Erklär­tes Ziel der Frei­set­zung war der Erwerb von Wis­sen und die Befä­hi­gung des For­schungs­teams, kein direk­ter Nut­zen für die loka­le Bevöl­ke­rung.

Tar­get Mala­ria erklär­te, dass alle sei­ne Akti­vi­tä­ten „im Ein­klang mit den natio­na­len Geset­zen von Bur­ki­na Faso“ durch­ge­führt wor­den sei­en. Das Minis­te­ri­um für Hoch­schul­bil­dung und For­schung hat­te die Geneh­mi­gung für den Feld­ver­such in Sou­rou­kou­dingan am 6. August bekannt­ge­ge­ben.

Auf dem Weg zu Gene-Drive-Mücken

Vor der Frei­set­zung am 11. August hat­te Tar­get Mala­ria schon ein­mal, im July 2019, einen Feld­ver­such mit Gen­tech­nik-Mücken in Bur­ki­na Faso durch­ge­führt.

Nach Aus­sa­gen der Initia­ti­ve wäre der nächs­te Schritt die Frei­set­zung von Gene-Dri­ve-Mücken. Damit sol­len hei­mi­sche Popu­la­tio­nen von Anophe­les gam­biae-Mücken, dem Haupt­über­trä­ger von Mala­ria, redu­ziert wer­den. Ob die­se Gene Dri­ves jedoch tat­säch­lich funk­tio­nie­ren wür­den, und wel­che Aus­wir­kun­gen sie hät­ten, ist nach wie vor höchst unsi­cher.

Breite Kritik an Target Malaria

Die Koali­ti­on zur Über­wa­chung bio­tech­no­lo­gi­scher Akti­vi­tä­ten in Bur­ki­na Faso (CVAB) for­der­te die Aus­set­zung der Geneh­mi­gung für den zwei­ten Mücken­ver­such. Sie ver­lang­te außer­dem die Ver­öf­fent­li­chung der Doku­men­te, die der Ent­schei­dung zugrun­de lagen. Die Koali­ti­on äußer­te Beden­ken hin­sicht­lich öko­lo­gi­scher Risi­ken, ethi­scher Fra­gen und man­geln­der Trans­pa­renz.

„Das Pro­blem ist die von Tar­get Mala­ria vor­ge­schla­ge­ne Lösung, die dar­in besteht, den Über­trä­ger mit­hil­fe von Gene-Dri­ve-Mücken auzu­rot­ten“, sag­te Ali Tap­so­ba von Terre à Vie, einem Mit­glied der Koali­ti­on. „Die­se Tech­no­lo­gie ist hoch umstrit­ten, unvor­her­seh­bar und wirft ethi­sche Fra­gen auf. Die Aus­wir­kun­gen von Gene-Dri­ve-Orga­nis­men auf Gesund­heit und Öko­sys­te­me sind wei­ter­hin unbe­kannt und poten­zi­ell irrever­si­bel.“

Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen hat­ten bereits die Frei­set­zung der gene­tisch ver­än­der­ten Mücken im Jahr 2019 als ris­kant, unbe­grün­det und unethisch ver­ur­teilt.

Unbeherrschbare Risiken von Gene Drives

Gene Dri­ves sind eine hoch umstrit­te­ne Tech­no­lo­gie, mit­tels derer gene­ti­sche Merk­ma­le wie Ste­ri­li­tät an den Groß­teil der Nach­kom­men wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Die nor­ma­len Regeln der Ver­er­bung wer­den damit aus­ge­he­belt. Im Gegen­satz zu bis­he­ri­gen Ansät­zen der Gen­tech­nik sind Gene Dri­ves dar­auf aus­ge­legt, im Labor ver­än­der­te Gene schnell in Wild­po­pu­la­tio­nen zu ver­brei­ten.

Tar­get Mala­ria plant, ein­hei­mi­sche Popu­la­tio­nen von Anophe­les gam­biae-Mücken mit­tels Gene Dri­ves zu unter­drü­cken. Wissenschaftler:innen mah­nen jedoch zu äußers­ter Vor­sicht und war­nen vor poten­zi­ell schwer­wie­gen­den Aus­wir­kun­gen auf die Bio­di­ver­si­tät und Öko­sys­te­me. Sie argu­men­tie­ren zudem, dass bestehen­de Bio­si­cher­heits­re­ge­lun­gen unzu­rei­chend sei­en, um die beson­de­ren Risi­ken von Gene Dri­ves zu kon­trol­lie­ren. Daher soll­te kei­ne Frei­set­zung von Gene Dri­ves – auch nicht zu Ver­suchs­zwe­cken – erfol­gen.

Save Our Seeds for­dert im Rah­men der Kam­pa­gne „Stop Gene Dri­ves“ ein welt­wei­tes Ver­bot der Frei­set­zung von Gene Dri­ves in die Umwelt.

Forderung nach sicheren Alternativen

Bur­ki­na Faso gehört zu den zehn Län­dern, die am stärks­ten von Mala­ria betrof­fen sind. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on ver­zeich­ne­te 2023 mehr als acht Mil­lio­nen Fäl­le und über 16.000 Todes­fäl­le. Die Koali­ti­on zur Über­wa­chung bio­tech­no­lo­gi­scher Akti­vi­tä­ten (CVAB) argu­men­tiert, dass das Land siche­re Metho­den zur Mala­ria­be­kämp­fung anwen­den soll­te, anstatt ris­kan­te und expe­ri­men­tel­le gene­ti­sche Tech­no­lo­gien ein­zu­set­zen.

Tar­get Mala­ria ist in Groß­bri­tan­ni­en, Ita­li­en, den USA, Bur­ki­na Faso, Ugan­da und Gha­na tätig. Die Initia­ti­ve bemüht sich, in ver­schie­de­nen Gre­mi­en den Weg für Gene Dri­ves zu ebnen, unter ande­rem bei der UN-Bio­di­ver­si­täts­kon­ven­ti­on und der Inter­na­tio­na­len Natur­schutz­uni­on (IUCN).

Bur­ki­na Faso steht seit 2022 unter Mili­tär­herr­schaft. Ein geplan­ter Über­gang zu einer Zivil­re­gie­rung wur­de ver­scho­ben. Im Okto­ber berich­te­te die New York Times, dass pro-rus­si­sche Influen­cer unbe­grün­de­te Behaup­tun­gen über Tar­get Mala­ria im Land ver­brei­te­ten.

Bild © David Peter­sen, Pix­a­bay

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