Save Our Seeds

Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung. Es steht am Anfang und am Ende eines Pflanzenlebens. Die Vielfalt und freie Zugänglichkeit dieses Menschheitserbes zu erhalten, das von Generation zu Generation weitergegeben wird, ist die Aufgabe von Save Our Seeds.

Foto: Weizenkorn Triticum Karamyschevii Schwamlicum fotografiert von Ursula Schulz-Dornburg im Vavilov Institut zu St.Petersburg

2013

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Januar – Das Jahr beginnt für SOS mit einer Aktion gegen Bienengift vor dem Kanzleramt. Unsere Büromanagerin, Katharina Wolfhard, eröffnet die Saison zusammen mit Imkern als Bienenkönigin. In der Markthalle IX in Berlin-Kreuzberg organisiert Stephanie Roth (Kampaignerin für ARC2020) tags darauf eine heftige Debatte über Landgrabbing in Rumä-
nien zwischen rumänischen Kleinbauern, deutschen Agraraufkäufern und Vertretern von ARC2020, unserem europäischen Bündnis für gutes Essen und gute Landwirtschaft.

Am 19. Januar sind wir bei der großen „Wir haben es satt“ Demonstration mit dabei. 25.000 sind es diesmal! Danach laden Benedikt Haerlin (Leiter Save Our Seeds) und Luise Körner (Projektleiterin 2000m2) zu „Soup’n'Talk“. Die durchgefrorenen DemonstrantInnen wärmen sich mit Suppe aus der „Schnippeldisco“ und der Bodenheizung der Heinrich-Böll-Stiftung auf. Derweil präsentieren 30 Initiativen aus aller Welt und vielen Welten in „5-Mi­nu­ten-Terrinen“ ihre Aktivitäten und Ideen.

Am 21. Januar organisieren wir ein Gespräch von Bio-, Kleinbauern- und Umweltverbänden mit dem neuen französischen Agrarminister. Monsieur le Foll sucht Verbün-
dete bei der EU-Agrarreform. Im Februar besucht Benedikt Haerlin (Leiter Save Our Seeds) ihn beim „Salon d’agriculture“ in Paris.

März – Die Auseinandersetzung um die EU Agrarpolitik geht in die Endrunde. Im Europa-
parlament in Straßburg verab-
schieden die Abgeordneten einen enttäuschenden Kompro-
miss. Unsere internationale Aktion vor dem gewaltigen Ge-
bäude besuchen Abgeordnete fast aller Fraktionen. Doch unsere Forderungen finden trotzdem keine Mehrheit.

April – Volker Gehrmann - Projektleiter von Bantam Mais - ist überwältigt: So viel Zuspruch wie in diesem Jahr hatte die Aktion „Bantam-Mais“ gegen Gentechnik und für samenfeste Sorten im Garten schon lange nicht mehr. Dabei geht es diesmal gar nicht um Mais, sondern um Freiland-Tomaten. Sie sind widerstandfähig gegen Braunfäule und wachsen – anders als die meisten Treibhaus-Tomaten – ohne Unterlagen von Monsanto, auf die sie aufgepropft werden. Das ganze Büro zählt Tomatensamen ab und tütet sie ein.

Mai„Vielfalt statt Monokulturen!“ Fast 250.000 Unterschriften sammeln wir zusammen mit den Web-Aktivisten von Campact innerhalb weniger Tage gegen eine neue Saatgut-Verordnung der EU-Kommission. Sie würde den freien Austausch von Saatgut, aber auch die Zulassung neuer samenfester Sorten, besonders für den biologischen Anbau noch schwieriger machen. Schon im Februar hatten wir einen offenen Brief an die EU-Kommission geschrieben. Die macht zwar angesichts des Protestes ein paar Zugeständnisse, bleibt aber im Wesentlichen bei ihrem Vorschlag. Weitere Informationen im Archiv

Klausuren & Perspektiven: Wie soll es weiter gehen mit ARC2020, der europäischen Allianz für nachhaltige Ernährung, Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung? Save Our Seeds hat sich stark engagiert in diesem Bündnis. Seine Webseite und sein Aktionsbüro sind bei uns zu Hause. Auf einem Strategietreffen in Berlin beschließen wir: Es geht weiter - auch nach dem traurigen Abschluss der EU-Agrarreform. Jetzt erst recht! Zu dem gleichen Schluss kommen wir auch bei einer Klausur des deutschen Bündnisses „Meine Landwirtschaft“.

Das sind klare Vorga-
ben und Herausfor-
derungen für unsere eigene Teamklausur im Juni in der Ucker-
mark (von links oben nach rechts unten): Luise Körner, Paul Berschneider, Stepha-
nie Roth, Daniel Hert-
wig, Angelika Beck, Julian Maguhn, Katharina Wolfhard, Jochen Fritz, Kate Mann, Iris Kiefer, Regine Holloh, Benedikt Haerlin

Juni – Am 25. Juni macht Paul Berschneider (FÖJler bei SOS; der Blondschopf über „promised“) eine neue Erfahrung: Er wird verhaftet. Allzu ernst meint es die Luxem-
burger Polizei nicht. Sie will unseren Protest zur Abstimmung der EU-Agrarminister über die Agrar-Reform ja nur unter Kontrolle behalten. Schon eine halbe Stunde später sind Paul und sein Freund Pierre-Alain aus Paris wieder da und fordern: „You promised a green, fair and local CAP! Don´t cheat your citizens!“

August – Kennen Sie Wietze? Dort steht der größte Geflügelschlachthof Europas. Kapazität: 135 Millionen Tiere im Jahr. 7000 Menschen umzingeln dieses Denkmal industrieller Landwirtschaft am 31. August und halten dort ein buntes Sommercamp ab. Wir beteiligen uns intensiv an dieser ersten „Wir haben es satt“ Aktion über dem Gefrierpunkt.

September – Wachwechsel: Katharina Wolfhard verlässt uns nach drei Jahren als Büromanagerin. An ihre Stelle tritt eine alte Freundin von SOS: Irmina Pelc war schon bei „Planet Diversity“ 2008 und der GMO-Free-Regions-Konferenz 2010 dabei. Wir verabschieden auch Paul Berschneider, unseren FÖJler, der eine Schreinerlehre antritt und begrüßen Joscha Steybe aus dem Allgäu. Kate Mann, die unsere www.arc2020.eu Webseite betreut hat, zieht es zu Slow Food nach bella Italia. In ihre Fußstapfen tritt Shirin Kiamanesh aus Kanada.

Oktober - 2000 Quadratmeter kommen heraus, wenn man die Ackerfläche dieser Welt (1,4 Mrd. Hektar) durch die Zahl der Erdenbürger teilt. Soviel Acker steht jedem von uns zur Verfügung. Eine neue Art, die Frage nachhaltiger Bodennutzung zu betrachten. Wir haben das in einer Broschüre und auf unserer Webseite getan. Schauen Sie doch mal vorbei!

Bei der „Global Soil Week“, dem Weltkongress zu Bodenfragen stellen wir das 2000m2 Projekt zusammen mit unseren Seed-
balls vor; eine schöne Gelegen-
heit, sich auf einem wissen-
schaftlichen Kongress die Hände schmutzig zu machen, die auch Klaus Töpfer und Vandana Shiva dankbar annehmen. Unsere bunte Samenvielfalt im eigenen Lehm ist auch auf vielen anderen Veranstaltungen (hier in den Prinzessinnengärten) ein Renner.

Dingolfing, Fürstenfeldbruck, Freising, Ulm, Köln, Bochum, Düren, Paris, Herrsching, Eisenach – Stationen von Vorträgen zur Lage der globalen Landwirtschaft und Ernährung und über den Weltagrarbericht und seine Folgen, die Benedikt Haerlin (Leiter von Save Our Seeds) in diesem Herbst absolviert. In Kürze wird mit Angelika Becks (Projektleiterin Weltagrarbericht) Hilfe unsere Broschüre zu dem Thema neu erscheinen, nachdem die ersten Auflagen von 30.000 Exemplaren nun vergriffen sind. Die Webseiten weltagrarbericht.de und www.globalagriculture.org haben wir bei der Gelegenheit auch überarbeitet.

November – Plötzlich ist er wieder da, der Gentechnik-Mais. Nachdem die Gentechnikfirmen Bayer, Syngenta, BASF und Monsanto in den letzten Jahren eine nach der anderen den europäischen Markt für ihre Gentechnik-Saat verloren gaben, will die EU-Kommission nun eine GVO-Sorte der Firma Pioneer aus dem Jahre 2001 unversehens zum Anbau zulassen. Daniel Hertwig rauft sich die Haare, auch wenn dies seinem Informationsdienst Gentechnik gute Besucher-
zahlen beschert. Beginnt nun das ganze Elend von vorne oder werden die EUAgrarminister im Januar die Kommission mit der nötigen Zweidrittelmehrheit zurückpfeifen? Das hängt entscheidend von der neuen Bundesregierung ab. SPD und CSU fordern den Ausstieg aus dem Gentechnikanbau in den Koalitionsverhandlungen. SOS mobilisiert zusammen mit Campact 150.000 Bürgerinnen und Bürger für ein solches Verbot. Neuigkeiten unter
www.keine-gentechnik.de

Am Tag der letzten großen Koalitionsrunde steigen wir mit einem ebenso großen Banner auf ein Baugerüst gegenüber der SPD-Zentrale, um unserer Forderung mit „typischer Hand-
bewegung“ Nachdruck zu verleihen. Den Koalitionären fehlt dazu wohl leider der Mut. Weitere Informationen im Archiv

Essen ist ein politischer Akt. Zusammen Gemüse schnibbeln und dabei über urbane Gärten und solidarische Landwirtschaft, über Landgrabbing und Widerstand gegen neue Mega-Schweineställe reden; gemeinsam Aktionen planen und zusammen die Suppe auslöffeln - das ist der „Politische Suppentopf“, den wir in Berlin, Dresden, Köln und Hannover anrichten.

Dezember – Der Streit um die EU Saatgutverordnung geht in die nächste Runde. Das Europaparlament will das Gesetz in letzter Minute vor seiner Neuwahl im Mai durchwinken. Berichterstatter Silvestris von Berlusconis Freiheitspartei will auf Grundlage der Einschätzungen der europäischen Saatgutindustrie selbst kleine Zugeständnisse der Kommission an Bauern, Bio- und Erhaltungszüchter wieder streichen. Wir starten zu Weihnachten die Kampagne „Freiheit für die Vielfalt!“. Susanne Kopte und Rebekka Schwarzbach nehmen unser kleinstes Büro in Beschlag und machen sich ans Werk. Wir machen weiter und zählen auf Ihre Unterstützung!
www.saveourseeds.org


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