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Save Our Seeds

"Save Our Seeds" startete 2002 als Initiative zur Reinhaltung des Saatguts von Gentechnik. Mittlerweile betreiben wir viele weitere Projekte für Saatgutvielfalt, nachhaltige Landwirtschaft und globale Ernährung. mehr

Europäischer Gerichtshof: Mutation, Gentechnik oder beides?

Generalanwalt Bobek liest vor, Foto: EuGH

Der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof, Bobek, hat am 18.1.2018 in einem lange erwarteten Plädoyer seine Stellungnahme dazu abgegeben in welchem Verhältnis seiner Meinung nach das EU Gentechnikgesetz „Mutagenese“ und gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zueinander sieht. Bobeks kuriose Interpretation lautet: Mutagenese kann zwar Gentechnik sein, ihre Produkte können aber dennoch von der Prüfung, Zulassung und Kennzeichnungspflicht der Europäischen Gentechnik-Richtlinie ausgeschlossen werden.

Mutagenese ist die Herbeiführung von punktuellen Veränderungen der Erbsubstanz DNA, wie sie auch in der Natur stattfinden. Sie wird seit langem chemisch und durch Bestrahlung ungezielt herbeigeführt, um aus den entstehenden Mutanten interessante Abweichung auszulesen und in der Züchtung einzusetzen. Die Ergebnisse dieser ungezielten Mutagenese wurden bei der Verabschiedung der Richtlinie und ihrer Vorgängerin im Jahre 1990 in einem Anhang explizit von den Vorschriften des Gentechnikgesetzes ausgenommen.

Einige neue Gentechnikverfahren, insbesondere auch CRISPR-Cas, beruhen nicht auf der Einführung von fremdem Erbgut in die DNA, sondern führen mehr oder weniger punktgenaue Veränderungen („Punktmutationen“) der DNA herbei um so die Eigenschaften des Organismus gezielt zu verändern.

Der französische Staatsgerichtshof hatte nun, mit Bezug auf „alte“ Mutageneseverfahren gefragt, ob die EU-Gentechnik-Richtlinie 2001/18 Mutagenese grundsätzlich als Gentechnik betrachte oder ausschließe. Die Antwort des Staatsanwaltes, über die der Europäische Gerichtshof freilich erst noch befinden muss: Mutageneseverfahren sind zwar grundsätzlich gentechnische Verfahren, aber durch eine Ausnahmeregelung von den allgemein für gentechnisch veränderte Organismen geltenden Vorschriften zur Risikobewertung, gesonderten Zulassung und Kennzeichnung ausgenommen. Dies. so Staatsanwalt Bobek, gelte seiner Meinung nach für alle bisherigen und künftigen Formen der Mutagenese.

Wissenschaftler und Unternehmen, die sich der neuen Verfahren bedienen, könnten nun Hoffnung schöpfen, dass diese generell von den ihrer Meinung nach übertriebenen Gentechnikzulassungsverfahren ausgenommen werden. Allerdings prüfen die Rechtsgelehrten derzeit noch die 36 seitige Stellungnahme des EU-Juristen auf hre volle Bedeutung. Wann der Europäische Gerichtshof in dem Fall ein Urteil spricht, ist nicht bekannt. Häufig geschieht dies drei etwa Monate nach dem Plädoyer des Staatsanwaltes.

"Sollte der EuGH in der von Herrn Bobek anscheinend vorgeschlagenen Art tatsächlich das Gentechnikgesetz uminterpretieren," sagte Benny Haerlin von Save Our Seeds in einer spontanen, ersten Stellungnahme, "dann wäre der Gesetzgeber gefordert, dem Vorsorgeprinzip durch entsprechende Klarstellungen wiederGeltung zu verschaffen". Schließlich seien einige der neuen, sogenannten "gene editing" Methoden deutlich riskanter als manche "alte" Gentechnikanwendung.

Das Plädoyer von Herrn Bobek   

Pressemitteilung des EuGH

Bobek im Video


Elefantenhochzeiten in Brüssel

Drei große Übernahmen sollen das globale Saatgut- und Pestizidgeschäft endgültig in ein Oligopol verwandeln: Dow und Dupont/Pioneer, ChemChina und Syngenta (von der EU-Kommission bereits durchgewunken) und "Baysanto", Bayer und Monsanto. Nicht nur das gegenwärtige Marktgeschehen würden diese Elefanten dominieren, sondern mehr noch die künftige Saatgut- und Agrarentwicklung. Gegen die Patentabteilungen dieser neuen Oligarchen ließe sich kaum noch ein Produkt auf den Markt bringen.

So werden Forschung und Entwicklung sich kaum auf einen Abschied von Pestiziden und nachhaltige Agrarsysteme konzentrierten. Deshalb fordert "Save Our Seeds" zusammen mit 200 Organisationen aus ganz Europa in einem offenen Brief EU-Kommission auf, diese Megafusionen zu unterbinden. Bisher hat sich die EU-Kommissarin lediglich zu einer "intensiven Prüfung" von Baysanto überreden lassen, die den Fall fürs Erste verzögert.  Offener Brief mit Unterzeichnern in Englisch  Deutsche Übersetzung

Mehr im Infodienst zu Dupont & Dow

Mehr im Infodienst zu ChemChina & Syngenta

Wenn Saatgut und Pestizide heiraten - Vorher - Nachher Quelle: Konzernatlas


CRISPR-Cas – Gentechnik oder „natürliche Mutation“?

Bild: Thomas Splettstoesser (www.scistyle.com) CC-BY-SA 4.0

 Eine neue Methode, die es kurz gesagt erlaubt, mit Hilfe einer Immunreaktion gezielt an bestimmten Orten der DNA Abschnitte stillzulegen oder neue Abschnitte einzufügen, macht derzeit Furore in der Wissenschaft, unter Pharma- und Agrarunternehmen und in den nachgelagerten Bereichen des Patentrechts, der Politik und der Verbände. Ihr Acronym CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Pallindormic Repeats) ist für viele gleichbedeutend mit einer neuen Ära der, ja was nun, Gentechnik, „Neuen Züchtungsmethoden“ oder des Gene Editing?

Die Diskussionen und Hoffnungen, aber auch einige Befürchtungen erinnern frappierend an die die Anfänge der Diskussion über „Chancen und Risiken“ der ersten Formen von Gentechnik in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Einige Wissenschaftler/innen wittern aufgrund der neuen Methode eine einmalige Chance, die Methode überhaupt nicht als Gentechnik zu definieren oder aber nur bestimmte Ergebnisse der Methode zu Gentechnik, andere dagegen zu natürlichen Mutationen zu erklären. So könnte ihre Anwendung, sowohl in der Medizin als auch in der Landwirtschaft von lästig erscheinenden Risikobewertungen und Zulassungsverfahren ausgnommen werden. Andere CRISPR-Fans argumentieren gegen eine Regulierung der Verfahren mit dem Argument, ihre Anwendung sei im „Endprodukt“ dem erfolgreich veränderten Organismus nicht mehr zweifelsfrei nachweisbar. Deshalb könnten sie auch nicht kontrolliert und gesetzlich reguliert werden.

Viele Nichtregierungsorganisationen, auch Save Our Seeds, halten dies für den denkbar schlechtesten Einstieg in die Diskussion über Chancen und Risiken von CRISPR-Cas und fordern kompromisslose Transparenz, Kennzeichnung, Risikobewertung und entsprechende Wahlfreiheit für Landwirt/innen und Verbraucher/innen ob sie CRISPR Produkte einsetzen und verzehren wollen.

„Natürlich handelt es sich hier um Gentechnik!“ stellte Benny Haerlin von „Save Our Seeds“ klar: Nichts würde die Diskussion über Chancen und Risiken neuer gentechnischer Methoden von Anfang an mehr vergiften als der Versuch, sie einfach aus dem Geltungsbereich des Gentechnikgesetzes bzw. der entsprechenden Richtlinien der Europäischen Union „hinauszudefinieren“.

Eine starke Lobby aus interessierten Wissenschaftlern und Forschungsinstitutionen verfolgt offensichtlich genau diese Strategie. Ein entsprechend einseitiger Entwurf eines gemeinsamen wissenschaftlichen Berichts zu den neuen Techniken in der Pflanzenzüchtung und der Tierzucht aller Fachbehörden des Landwirtschaftsministeriums kann bis zum 13. Oktober kommentiert werden. Eine wissenschaftliche und eine rechtliche Stellungnahme des Bundesamts für Naturschutz (BfN, dem Umweltministerium unterstellt) wird dabei weitgehend ignoriert. Bei einer Konferenz der EU-Kommission zur "verantwortungsvollen Nutzung neuer Technologien in der Landwirtschaft" Ende September werden die Sichtweisen deutlich aufeinanderprallen - diesmal sogar life und online.

Gemeinsame NGO-Pressemitteilung „Vorsorge statt Aufweichung“  Mehr zum Thema bei unserem Informationsdienst Gentechnik


Mit "Gene Drive" in die ökologische Katastrophe?

Kann das weg? Beispiel Tse-Tse Fliege Foto: Bernskbarn, CC-BY-SA 4.0

+++ UPDATE: Das von uns zusammen mit 160 NGOs geforderte  Moratorium für "Gene-Drive" Techniken ´wurde bei der CBD, in Cancun leider nicht beschlossen. Lediglich zur "Vorsicht" haben die Delegierten beim Einsatz neuer Gentechniken und auch von Gene Drives aufgerufen. +++ In einem globalen und einem nationalen Appell an Umweltministerin Hendricks forderte SOS mit verschiedenen Umweltverbänden, die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen zum Zwecke der Manipulation der Umwelt weltweit zu ächten. Doch die Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) vom 4.-17. Dezember in Mexiko forderte leider nicht - wie die Internationale Naturschutzunion IUCN - einVerbot sogenannter "Gene Drives", die die Vererbung genetischer Eigenschaften unnatürlich schnell erzwingen und so in kurzer Zeit zum Aussterben von Arten führen können.

Umweltministerin Barbara Hendricks antwortete auf unseren ersten Brief "Eine Freisetzung von Organismen, bei denen "Gene Drive" verwendet wird, halte ich aus ökologischer Sicht zurzeit für nicht vertretbar." -Gemeinsam fordern die Verbände ein Verbot der Freisetzung, des Imports und des kommerziellen Anbaus von gentechnisch veränderten Organismen, wenn sich diese in natürlichen Populationen auskreuzen und ausbreiten können. Die neuen mit Hilfe des sogenannten CRISPR-Cas Verfahrens erzeugten Organismen sind nicht länger Kulturpflanzen oder Nutztiere, sondern Wildformen, deren Art auf diese Weise ausgerottet werden soll. Zu den Spitzenkandidat*innen auf der Todesliste gehören beispielsweise die Amopheles-Mücke, die Malaria übertragen kann und andere Insekten. Aber auch gewisse "Un"kräuter könnten demnächst auf der "Das kann weg Liste"  von Forscher*innen und Unternehmen stehen. 

Christoph Then von testbiotech bezeichnete Gene Drives als ein Art Eingriff in die Keimbahn der Evolution. Benny Haerlin von SOS forderte ein internationales Verbot bevor es zu spät ist und Heike Moldenhauer vom BUND warnte vor möglichen ökologischen Katastrophen.

Offener Brief der Verbände an Barbara Hendricks


Teosinte-Hybrid in Spanien kann Gentechnik verbreiten

Auf den ersten Blick ist sie kaum als Urform des heutigen Mais zu erkennen. Die Teosinte stammt aus Mexiko, der Heimat aller Maissorten. Dass aus dem mickrigen Gras vor ca. 9000 Jahren das Grundnahrungsmittel Lateinamerikas entstand, gilt als eine Art Weltwunder. Noch heute kreuzt sie sich in Mexiko mit ihren "dicken Kindern". In Spanien, dem einzigem EU-Land mit kommerziellem Gentech-Maisanbau, tauchte nun eine "Monstervariante" von Teosinte auf, die sich durch gewaltige Größe und aggressive Fruchtbarkeit auszeichnet. Sie ist nicht nur ein zunehmendes Unkrautproblem auf Maisfeldern, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Über sie kann die Insekten vernichtende Gentechnik-Wirkung auswildern, überwintern und in gentechnikfreie Mais-Bestände einkreuzen.Save Our Seeds hat zusammen mit anderen Organisationen eine Studie in Auftrag gegeben, die im Mai 2017 bei nature scientific reports veröffentlicht wurde.

Die NGOs haben an die spanische Regierung und die EU-Kommission geschrieben. Die haben mittlerweile zwar das Problem, das lange geheim gehalten worden war, zwar bestätigt. Sie sehen aber dennoch keinen Handlungsbedarf! Mehr zur Teosinte bei unserem Partner Testbiotech



Regenerative Landwirtschaft - Humus gegen Klimawandel

Foto: NOAA / National Weather Service

Die von SOS übersetzte Studie "Regeneration von Böden und Ökosystemen: Ein Weg zur Begrenzung des Klimawandels" des spanischen Agrarberaters Íñigo Alvarez de Toledo beschreibt detailliert und mit vielen Beispielen, wie Landwirtschaft durch Humusaufbau mund Kohlenstoffspeicherung einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung des Klimaproblems leisten kann.  Regeneration International ist auch ein globaler Verein mit dem Motto: „Put the carbon back in to the soil“, packt den Kohlenstoff zurück in den Boden. An seiner Gründung waren wir bereits 2015 in Costa Rica beteiligt. Kurzfassung (deutsch) Langfassung (deutsch) Langfassung (englisch)


Nachrichten

27.07.2017 |

Zuckerrohr
Brasilien: Zuckerrohr soweit das Auge reicht (Foto: Johnmcq)

In Brasilien darf jetzt Gentech-Zuckerrohr angebaut werden

Die brasilianische Gentechnik-Behörde CTNBio hat eine gentechnisch veränderte (gv) Zuckerrohr-Sorte des brasilianischen Zentrums für Zuckerrohrtechnologie (Centro de Tecnologia Canavieira, CTC) zugelassen. Das meldete die Agentur Reuters. Das gv-Zuckerrohr produziert in Blättern und Stängel ein Gift, das die Larven des Zuckerrohrbohrers abtöten soll, sobald diese sich über die Pflanzen hermachen. Dieses Bt-Toxin findet sich auch häufig in gentechnisch veränderten Mais- und Baumwollpflanzen.

In Brasilien wird auf zehn Millionen Hektar Zuckerrohr angebaut. Der daraus hergestellte Zucker dient als Nahrungsmittel ebenso wie als Basis für die Produktion von Ethanol als Treibstoff. Den Zucker exportiert Brasilien laut Reuters in 150 Länder. CTC habe bereits Importzulassungen für die USA und Kanada beantragt und wolle entsprechende Anträge auch in China, Indien, Japan, Russland, Südkorea und Indonesien stellen. Die EU findet sich nicht auf dieser Liste. CTC wolle die ersten Setzlinge nächstes Jahr auf den Markt bringen und es werde mindestens noch drei Jahre dauern, bis daraus gewonnener Zucker verkauft würde, zitiert Reuters den Geschäftsführer von CTC, Gustavo Leite. Die Zulassung durch CTNBio erfolgte übrigens zügig: Eingereicht hatte CTC der Meldung zufolge die Antragsunterlagen im Dezember 2015.

Der Zuckerrohr-Industrieverband Unica begrüßte die Zulassung und bezifferte die Schäden durch den Zuckerrohrbohrer mit etwa fünf Milliarden Real jährlich, das sind 1,3 Milliarden Euro. In der Unica-Meldung kündigt der CTC-Geschäftsführer an, in den nächsten Jahren ein Portfolio an resistenten Sorten zu entwickeln, die an die jeweiligen regionalen Anbaubedingungen angepasst seien. Zudem wolle er Zuckerrohr auch mit anderen Schädlingsresistenzen und Herbizidtoleranzen ausstatten. Schon seit sieben Jahren arbeitet CTC mit BASF an gv-Zuckerrohr, das mit weniger Wasser auskommt und mit Bayer an Pflanzen mit höherem Zuckergehalt.

In einer Meldung des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) kommentiert Augusto Freire von der brasilianischen ProTerra-Stiftung die Entwicklung. Er rechnet nicht mit einer raschen Verbreitung, da Zuckerrohr in Zyklen von fünf bis sieben Jahren angebaut werde. Zumindest die Zuckerverarbeiter im Nordosten des Landes stünden den Gentechnik-Pflanzen positiv gegenüber, sagte Freire dem VLOG. Eine Auskreuzung auf dem Feld halte er für eher unwahrscheinlich, da das Zuckerrohr aus Ertrags- und Qualitätsgründen üblicherweise vor der Blüte geschnitten werde. [lf]

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20.1. Demo & Soup&Talk

Am Samstzag um 11 Uhr rechts vom Bahnhofseingang treffen wir uns unter dem Saatkorn (s.o.). Um 15 Uhr dann unser traditioneller Soup & Talk in der Heinrich Böll Stiftung mit 30 Prssentationen und einer Debatte zwischen Bauer Willy und Biobauer Sepp Braun.

Der 2000 m² Weltacker auf der Internationalen Gartenausstellung war ein Riesenerfolg. Jetzt bereiten wir die neue Saison 2018 vor.

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Hundertausende Menschen hungern in belagerten Städten in Syrien. Wir sammeln samenfestes Saatgut für Urban Farming Projekte von 15th Garden. Bitte kontaktieren Sie uns per Email.