Nachrichten
08.09.2011 | permalink
Honig-Urteil schlägt Wellen
Pollen können mit Gentechnik verunreinigt sein.
Nach dem sogenannten Honig-Urteil des Europäischen Gerichtshofs am Dienstag gibt es überwiegend positive Reaktionen aus der Politik und von den Verbänden. Landwirtschaftsministerin Aigner begrüßt das Urteil. Für Verbraucher sei damit Klarheit geschaffen worden. Aigner sieht sich mit ihrem Anliegen, eine umfassendere Gentechnik-Kennzeichnung auf EU-Ebene durchzusetzen, gestärkt. Mit ihren Kollegen in den Bundesländern will Aigner sich schnellstmöglich über die Konsequenzen des Urteils abstimmen. Dabei geht es z.B. um eine Neuregelung der Sicherheitsabstände zu Gentechnik-Feldern. Der BUND und Bioland fordern einen Abstand von mindestens fünf Kilometern zwischen Bienenstöcken und Gentechnik-Feldern. Der Deutsche Imkerbund spricht sich gar für einen Zehn-Kilometer-Abstand zwischen Feldern mit und ohne Gentechnik aus.
Bio- und Umweltverbände betonen außerdem, dass mit dem Richterspruch die Regelung der Nulltoleranz von in der EU nicht zugelassenen GVO bestätigt wurde. Die EU-Kommission hatte das Prinzip dieses Jahr verletzt, als sie in Futtermitteln eine Verunreinigung von 0,1% zuließ.
Nun muss sichergestellt werden, dass kein Honig mit Pollen in den Handel gerät, der in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen ist. "Für die Tests sind in erster Linie die Überwachungsbehörden zuständig", meint Peter Röhrig, Gentechnik-Experte des BÖLW. "Lebensmittelunternehmen und privaten Labore können nicht auf gentechnisch veränderte Organismen testen, die sie nicht kennen. Nur für die wenigsten nicht zugelassenen Gen-Konstrukte sind Testverfahren frei verfügbar".
BÖLW: Honig mit Mon 810-Pollen ist Sondermüll
Bioland: Bioland begrüßt EuGH Urteil zum Honig
Greenpeace: Null Toleranz für Gen-Honig
World Save Bee Fund: WSBF begrüßt Honig-Urteil des Europäischen Gerichtshofs
AFP: Aigner will nach Honig-Urteil Gentechnik-Kennzeichnung voranbringen
pnn.de: Sargnagel für die Agro-Gentechnik
reuters.com: Aigner droht Genpflanzen-Herstellern mit neuen Auflagen
NABU: Bienen und Imker wichtiger als Genmais
Mellifera e.V.: Biene sticht Gentechnik-Giganten
Campact Blog: Honig-Urteil: Aigner will Sicherheitsabstände prüfen
Infodienst: Bienen und Gentechnik
06.09.2011 | permalink
EuGH: Honig muss frei von Gentechnik-Pollen sein
Honig, der Pollen des MON810-Maises enthält, ist nicht verkehrsfähig. (Photo: Infodienst)
Honig, der mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt wurde, ist nicht verkehrsfähig. Dies hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) heute in einem Urteil verkündet. Auch ungewollte und geringste Mengen führen dazu, dass der Honig nicht mehr verkauft werden darf. Es reicht nicht, dass der Gentechnik-Mais MON 810 eine Zulassung zum Anbau habe. Das Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik, Mellifera, feiert damit einen großen Erfolg. Denn mit dem Urteil steht fest, dass Imker einen Anspruch auf Entschädigung haben, wenn ihr Honig mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt wurde, die nicht als Lebensmittel zugelassen sind. Dies war der Fall des Imkers Bablok, der in seinem Honig GVO-Spuren fand und daraufhin seine gesamte Ernte vernichten musste. Weil deutsche Behörden der Auffassung waren, dass derartige Verunreinigungen toleriert werden müssen, zog er mit Hilfe von Mellifera vor Gericht und verklagte den Freistaat Bayern auf Schadensersatz. Wegen ungeklärter Fragen europäischen Rechts legte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof dem EuGH 2009 einige Punkte zur Entscheidung vor. Dieser entschied nun im Sinne der Imker und Verbraucher, die Gentechnik in Lebensmitteln überwiegend ablehnen.
Bio- und Umweltverbände fordern die Bundesregierung anlässlich des Urteils auf, den Schutz von Honig im Gentechnikgesetz zu regeln. Abstandsregelungen von fünf Kilometern zwischen Gentechnik-Feldern und Bienestöcken seien dafür notwendig. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass mit dem Urteil die Regelung der Nulltoleranz von in der EU nicht zugelassenen GVO bestätigt wurde.
Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner sieht weitreichende Folgen des Urteils sowohl für die EU als auch für Deutschland. Die Frage der Sicherheitsabstände zwischen Feldern mit und ohne Gentechnik müsse geprüft werden.
Gerichtshof der Europäischen Union: Pressemitteilung
Mellifera e.V.: Biene sticht Gentechnik-Giganten
Anwälte Gaßner, Groth, Siederer & Coll.: Juristische Stellungnahme zum EuGH-Urteil
Infodienst: Bienen und Gentechnik
SPIEGEL ONLINE: Richter stoppen Genhonig - Schlappe für Agrarlobby
tagesschau.de: Weitreichende Folgen für Anbau von Genpflanzen
agrarheute.com: Das sagen Verbände und Parteien
26.08.2011 | permalink
Wahlkreis-Aktion gegen Agro-Gentechnik
Jährlich erreichen nur 2 von 19.000 Petitionen die Hürde von 50.000 Unterschriften und erwirken eine öffentliche Beratung der Petition.
Der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) möchte die Wirkung der öffentlichen Beratung der Petition „Gentechnikanbau stoppen“ erhöhen und die Volksvertreter in die Pflicht nehmen. In einer Online-Wahlkreis-Aktion sollen Bürger die Bundestagsabgeordneten Ihrer Wahlkreise zur Ausschusssitzung im Bundestag am 26. September einladen. Der Petent und BÖLW-Vorstandsvorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein wird sich in der öffentlichen Beratung des Petitionsausschusses für einen EU-Zulassungsstopp von Gentechnik-Pflanzen und die Umsetzung der regionalen Anbauverbote einsetzen. Da ein Großteil der Bevölkerung die Agro-Gentechnik sowohl auf dem Teller als auch auf dem Acker nach wie vor ablehnt, sollen die Abgeordneten ihre Aufgabe als Volksvertreter wahr nehmen und die Gentechnik-Petition unterstützen. Mehr als 100.000 Bürgerinnen und Bürger hatten die öffentliche Petition unterzeichnet. Sie gehört zu den bislang erfolgreichsten eingereichten Petitionen. Jährlich übertreffen nur zwei von 19.000 Petitionen die Hürde von 50.000 Unterschriften, die für eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss notwendig sind. Ein klares Signal für die Bundesregierung.
25.08.2011 | permalink
Präsident Komorowski legt Veto gegen polnisches Gentechnik-Gesetz ein
Komorowski blockiert Gentechnik-Bestimmungen
Polens Präsident nutzt sein Veto-Recht aus eher formalen Gründen, gab sich aber gleichzeitig als Anhänger der Gentechnik zu erkennen. Nach Komorowskis Auffassung ist das vorliegende Gesetzesprojekt über die Saatgut-Zucht ein “gesetzgeberischer Eiertanz”. Das Gesetz verbiete die Anwendung von gentechnisch verändertem Saatgut nicht, reguliere sie aber auch nicht. Das Gesetz biete aber Anlass für viele Kontroversen, weil es die Möglichkeit einer Registrierung von GMO-Saatgut beeinhaltet.
09.08.2011 | permalink
Transgenic crops record broken by Brazil
82.7 percent of the area for soybeans, 64.9 percent of the area for corn and 39.7 percent of the area for cotton will be using GM seeds; the Central-Western region is now leading in the size of the area planted with GM soybeans. [...] The area planted with transgenic soybeans for thenext harvest will be 13.4 percent greater than it was in the 2010/11 harvest, occupying 20.8 million hectares (82.7 percent of the total area projected).
03.08.2011 | permalink
Gentechnik-Soja: Studie bestätigt mehr Gift und mehr Resistenzen
Laut einer Fallstudie über Brasilien des Swedish Institute for Food and Biotechnology wird bestätigt, dass der Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln und die Bildung von resistenten Unkräutern seit der Einführung von Gentechnik-Soja deutlich gestiegen sind. Zu befürchten ist auch der Einsatz von veralteten, in Europa verbotenen Herbiziden wie Paraquat. Die Entwicklung von Gentechnik-Pflanzen mit Mehrfach-Resistenzen bietet dafür keine Lösung. Der überwiegende Einsatz von Gentechnik-Soja in den Hauptanbauländern USA, Argentinien und Brasilien zeichnet sich durch sein einseitiges Unkraut-Management und einer fehlenden Bodenbearbeitung aus. Beides begünstigt die Bildung von resistenten Unkräutern. Seit dem Jahr 2007 ist der Import von Europa nach Brasilien von Paraquat, einem hoch toxischen Herbizid von 0 auf 66 Mio. kg im Jahr 2009 gestiegen. Ein Indiz für den vermehrten Einsatz des Herbizids, welches seit 2007 in Europa verboten ist. Dass auch die Hersteller selbst das Resistenzproblem bei den Unkräutern ernst nehmen, zeigt das Roundup Ready Plus Progamm von Monsanto. Die Firma übernimmt die Kosten für einen zusätzlichen Herbizideinsatz beim Pflanzen von glyphosat-resistenter Gentechnik-Soja. Auch bei mehrfachresistenter Gentechnik-Soja stellen sich auf Dauer Resistenzprobleme ein. Die Studie empfiehlt den Einsatz von Herbiziden mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, die auf Grund der Monopol-Stellung von Gentechnik-Soja wenig weiterentwickelt wurden. Vor allem müssen alternative Anbausysteme verstärkt eingesetzt werden.
15.07.2011 | permalink
Gentechnik-Saat breitet sich in Ungarn aus
Eine Verunreinigung von 0,1% bedeutet, dass pro Hektar 100 gentechnisch veränderte Mais-Pflanzen wachsen.
Wie unkontrolliert sich Gentechnik in der Landwirtschaft ausbreiten kann, zeigt sich derzeit in Ungarn. Dort weitet sich ein Gentechnik-Skandal immer weiter aus. Eigentlich sollten im ganzen Land keinerlei gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen. Trotzdem fand man kontaminierte Felder, auf denen illegal Gentechnik-Mais wuchs. Daher wurden 400 Hektar Mais bereits zerstört. Mittlerweile ist aber schon eine Fläche von 1200 Hektar betroffen, auf denen verunreinigtes Saatgut ausgesät wurde. Die Gentechnik-Saat stammt von den Unternehmen Monsanto und Pioneer und wurde bei Kontrollen gefunden, die seit diesem Jahr in Ungarn behördlich vorgeschrieben sind. Die betroffenen Landwirte beklagen, dass die Kontamination zu spät entdeckt wurde, um für dieses Jahr erneut auszusäen. Eine Entschädigung können sie höchstwahrscheinlich nicht erwarten, da das Unternehmen, das das Saatgut verkauft hat, zahlungsunfähig ist.
11.07.2011 | permalink
Genpflanzen verlieren an Boden
Gefährliche Kulturen (Bild: SaveOurSeeds)
Die Konsumenten wollen keinen Genplanzen - das wirkt sich auch auf die Produzenten aus: Bei den Konzernen wachsen die Bedenken.
Die aktuelle Diskussion über mögliche deutsche Genpflanzenverbote macht nach Einschätzung von Experten eine Abwanderung von Unternehmen wahrscheinlicher. "Im momentanen politischen Umfeld, ist zu erwarten, dass die großen Konzerne Forschung tatsächlich ins Ausland verlagern, wenn sie dort auf bessere Akzeptanz stoßen", sagt Siegfried Bialojan, Biotech-Branchenkenner bei der Beratungsfirma Ernst & Young. Der Chemiekonzern BASF dementiert konkrete Verlagerungspläne - berücksichtigt den politischen Gegenwind aber bei neuen Projekten.
05.07.2011 | permalink
Gentechnik: Mitgliedstaaten sollen Anbau verbieten dürfen
Die EU-Mitgliedsstaaten sollen über den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen selbst entscheiden. (Photo:Infodienst)
Die EU-Mitgliedsländer sollen das Recht haben, den Anbau genetisch veränderter Organismen (GVO) einzuschränken oder zu untersagen, fordert das Europäische Parlament; auch aus Umweltschutzgründen. Die Kommission hatte vorgeschlagen, dass die Mitgliedstaaten den Anbau nur aus anderen als Gesundheits- oder Umweltgründen verbieten dürfen.
Europäisches Parlament: Gentechnik: Mitgliedstaaten sollen Anbau einschränken oder verbieten dürfen
Bloomberg, USA: Biotech-crop cultivation flexibility backed by EU lawmakers
Save our Seeds, Campact: EU Parlament stimmt für weitgehende Möglichkeit, Gentechnik-Anbau national zu verbieten
Telepolis: Die Seilschaften der Gentech-Industrie
Süddeutsche Zeitung: Gegen die Gentechnik
top agrar: GVO-Anbau soll aus Umweltgründen verboten werden dürfen
02.07.2011 | permalink
Gentechnikreis: Bayer bietet Bauern eine halbe Milliarde Euro
Mit einer Vergleichszahlung von mehr als einer halben Milliarde Euro an amerikanische Reisbauern will Bayer CropScience einen jahrelangen Rechtsstreit um Genreis beenden. Am Freitag einigte sich Bayer mit den Anwälten von 11.800 Farmern auf ein Vergleichsprogramm. Das bisher teuerste in der Geschichte der Gentechnik.


