Nachrichten
14.05.2012 | permalink
Kein Geld für industrienahe EFSA
Die EFSA-Risikobewertung von Gentechnik-Pflanzen ist umstritten. (Bild: Testbiotech)
Das Europäische Parlament entschied erstmals der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Haushaltsentlastung vorerst zu verweigern. Der EFSA wird eine große Nähe zur Industrie vorgeworfen, die eine unabhängige Prüfung von Lebensmitteln auf ihre Sicherheit behindert. Mehrere Mitarbeiter der Behörde haben neben ihrer Tätigkeit bei der EFSA oder im direkten Anschluss bei Lobbyverbänden wie dem International Life Sciences Institute (ILSI) gearbeitet. Dieses Institut gibt sich zwar unabhängig und gemeinnützig, wird aber von Lebensmittelmultis wie Kraft, Nestle, BASF, Unilever und Monsanto finanziert. Außerdem wird den Lebensmittelprüfern vorgeworfen, sich bei der Genehmigung von gentechnisch verändertem Mais auf die Studien verlassen zu haben, die vom Gentechnikriesen Monsanto vorgelegt wurden, ohne diese kritisch genug zu hinterfragen.
04.05.2012 | permalink
Nulltoleranz im Saatgut kein Problem
Ein Schwellenwert von 0,1 Prozent bei Mais-Saatgut würde in der Praxis zu etwa 100 Gen-Pflanzen pro Hektar führen.
Verunreinigungen im Maissaatgut durch gentechnisch veränderte Organismen sind in diesem Jahr stark zurückgegangen. Das wird aus der Auswertung der Daten der zuständigen Landesbehörden durch Greenpeace und Bioland deutlich. Waren im Jahr 2011 noch 29 von 417 Saatgutproben verunreinigt, sind es im Jahr 2012 gerade mal 11 von 419. Die Verunreinigungen konzentrieren sich auf die fünf Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen. Weil die Jahre davor die Verunreinigungsraten angestiegen waren, hatten die Umweltorganisation und der Bioverband bessere Beprobungen und mehr Transparenz gefordert. Für Dirk Zimmermann von Greenpeace zeigen die Ergebnisse klar: „Saatgut mit Spuren von Gentechnik bleibt eine Ausnahme, wenn umfassend kontrolliert wird“. Die Behauptung der Saatgut-Industrie und dem Bundesverband der Deutschen Pflanzenzüchter, eine Nulltoleranz bei Saatgut sei nicht einzuhalten und es müsse ein Schwellenwert von 0,1 eingeführt werden, ist bei diesen Ergebnissen nicht nachvollziehbar. Jan Plagge, Präsident von Bioland macht deutlich: „Gentechnikfreies Saatgut ist die Grundlage für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft. Es gibt keinen Grund, dieses Reinheitsgebot für Saatgut aufzuweichen. Nicht einmal der Landwirt weiß dann noch, was auf seinem Acker wächst“. Für Harald Ebner, Bündnis 90/Die Grünen, ist das Ergebnis ein klares Signal an die Bundesregierung, das Nulltoleranz-Prinzip gegenüber gentechnischen Verunreinigungen aufrechtzuerhalten.
27.04.2012 | permalink
Bundesregierung schweigt zur Gentechnik-Nulltoleranz
Die EU-Kommission will Gentechnik-Pflanzen in Zukunft leichter zulassen.
Die Bundesregierung ist nicht bereit, sich zu dem Vorschlag der EU-Kommission zur Aufweichung der Nulltoleranz bei Lebensmitteln zu positionieren. Dass seitens der EU ein solcher Vorschlag vorliegt, wurde von der Bundesregierung am Mittwoch im Agrarausschuss bestätigt. Eine Aussage zu ihrer Positionierung blieb seitens der Regierung trotz mehrfachem Nachfragen aus. Gelingt es der EU-Kommission die Nulltoleranz zu kippen, dürften Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Organismen verunreinigt sein, die in der EU nicht zugelassen sind und nicht auf mögliche Risiken für Umwelt und menschliche Gesundheit überprüft sind. Bündnis 90/Die Grünen fordert Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf, sich in Brüssel für den Verbraucherschutz und gegen rein ökonomische Interessen der Lebensmittelindustrie zu positionieren und eine gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft zu unterstützen. Es ist nicht einzusehen, warum europäische Verbraucherinnen und Verbraucher zu Versuchskaninchen gemacht werden, nur um Importeuren der Lebensmittelindustrie Kosten und Aufwand zur Reinhaltung ihrer Produkte zu ersparen. Schon im vergangenen Jahr hat sich Ilse Aigner trotz zahlreicher Proteste bei der Aufweichung der Nulltoleranz in Futtermitteln auf die Seite der Industrie geschlagen.
18.04.2012 | permalink
Argentinische Aktivistin erhält hoch dotierten Goldman-Prize
Sofia Gatica verzeichnet Krankheitsfälle auf einer Karte aus ihrer Region. Foto: Goldman Environmental Foundation
Die argentinische Aktivistin Sofia Gatica ist mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet worden. Gatica kommt aus der Region Ituzaingó, deren Bewohner von Soja-Feldern umringt sind. Vor dreizehn Jahren bekam sie ein Baby, das drei Tage nach der Geburt an Nierenversagen starb. Auf der Suche nach Gründen für den Tod ihrer Tochter begann die Argentinierin, sich mit ihren Nachbarn auszutauschen. Sie gründete eine Initiative und fand durch Umfragen heraus, dass die Krebsrate in ihrer Gemeinde 41-mal höher ist als der argentinische Durchschnitt. Auch neurologische Krankheiten, Geburtsfehler und Kindersterblichkeit treten dort sehr häufig auf. Der Verdacht drängt sich auf, dass der massive Einsatz des Spritzmittels Roundup, gegen das die gentechnisch veränderten Soja-Pflanzen resistent sind, schuld ist an den häufigen Krankheitsfällen. Zumal das Gift mit Flugzeugen auf die Felder gesprüht wird, die in direkter Nachbarschaft zu Wohnhäusern liegen. Gaticas Kampagne gegen diesen Gift-Einsatz hat viel erreicht. Zusammen mit anderen Müttern konnte sie z.B. durchsetzen, dass das Sprühen aus der Luft im Umkreis von 2500 Metern um Wohnorte herum verboten wurde. 2007 bedrohte sie jemand mit einer Waffe und forderte sie auf, ihre Kampagne zu beenden.
Der Goldman Prize ist einer der wichtigsten Umweltschutz-Preise und ist mit 150.000 Dollar dotiert. Er wird jährlich an Aktivisten vergeben, die sich persönlich mit wenigen Mitteln gegen Umweltzerstörung einsetzen. Mit der Verleihung an Sofia Gatica wurde das erste Mal eine Person geehrt, die sich mit viel Mut gegen große Agro-Chemie-Konzerne wie Monsanto einsetzt, und ist ein wichtiges politisches Zeichen aus den sonst sehr gentechnikfreundlichen USA.
YouTube: 2012 Goldman Prize Winner for South and Central America: Sofia Gatica
The Goldman Environmental Prize, USA: Sofia Gatica - 2012 South & Central America - Argentina - Toxic & Nuclear Contamination
Harald Ebner: Glückwunsch zum "Umwelt-Nobelpreis" für Sofia Gatica
Infodienst: Dossier zu Roundup und Gentechnik-Pflanzen
16.04.2012 | permalink
Gentechnik-Zentrum verschlingt Millionen
Das AgroBioTechnikum in Groß Lüsewitz (MV) betreut Freilandversuche mit zusätzlichen Serviceleistungen und ist Sitz verschiedener Labore und Betriebe. Foto: Projektwerkstatt Saasen
Das AgroBiotechnikum in Groß Lüsewitz steht weiter unter Beschuss. Neben Umweltverbänden, -Initiativen und den Grünen kritisiert nun auch der Bund der Steuerzahler das Gentechnik-Forschungs-Zentrum. Laut Ostsee-Zeitung hat das Land Mecklenburg-Vorpommern seit 2001 fast 10 Millionen Euro und der Bund mehr als fünf Millionen Euro investiert. Kritikern zufolge sind große Gentechnik-Konzerne die Hauptprofiteure der Förderung, deren gentechnisch veränderte Pflanzen dort auf Versuchsflächen getestet werden.
12.04.2012 | permalink
Wohl keine Entscheidung zum GVO Recht im Juni
Keine Einigung über den Anbau von GVO (Foto: Simone Knorr)
Die Frage der nationalen Anbauverbote wird voraussichtlich nicht auf der Tagesordnung des Umweltministerrats im Juni stehen. Damit schwindet die Möglichkeit, einen Kompromiss in der Gentechnikfrage in Europa herbeizuführen. Nachdem im Umweltministerrat im März die blockierende Minderheit mit Deutschland, Frankreich, Belgien und Großbritannien sich gegen den Kompromissvorschlag Dänemarks gestellt hat, wurde gehofft im Juni ein Übereinkommen zu finden. Dänemarks Vorschlag hätte es Mitgliedsstaaten ermöglicht den Anbau von GVO Pflanzen auf ihrem Territorium zu verbieten. Doch die EU Staaten sind sich weiterhin über den Anbau von GVO in Europa uneinig.
11.04.2012 | permalink
BASF plant Feldversuche in Europa
©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan; Im Jahr 2012 sind Freisetzungsversuche mit den Gentechnik-Kartoffeln Modena und Fortuna von BASF geplant.
BASF Plant Science will dieses Jahr in Deutschland, Schweden und den Niederlanden Feldversuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln durchführen. Obwohl der Konzern Mitte Januar seinen Rückzug aus der Entwicklung und Kommerzialisierung von Kartoffel-Produkte für Europa angekündigt hatte, sollen dieses Jahr auf weniger als 1 ha die Stärkekartoffelsorte Modena und die gegen Kraut- und Knollenfäule resistente Sorte Fortuna angepflanzt werden. Für diese Kartoffeln laufen in der Europäischen Union Zulassungsanträge und Sortenschutzverfahren. Ziel der Feldversuche sei es, Pflanzgut zu vermehren und die Leistungsfähigkeit der Sorten unter verschiedenen Umweltbedingungen zu überprüfen. Für den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen sieht der Konzern in Europa zwar keine Chance, verfolgt jedoch weiter die laufenden EU-Zulassungsanträge und Sortenschutzverfahren.
04.04.2012 | permalink
Nicht zugelassenen GVO auch in Lebensmitteln
Verbände forderten 2011 von Verbraucherministerin Aigner die Beibehaltung der Null-Toleranz für gentechnisch veränderten Organismen. (Foto: Joyce Moewius)
Ein Mitarbeiter der EU Kommission kündigte für die kommende Woche einen Vorschlag an, der nicht-zugelassene gentechnisch veränderte Organismen auch in Lebensmitteln tolerieren soll. Der Vorschlag muss dem Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit zur Abstimmung vorgelegt werden und könnte noch vor der Sommerpause in Kraft treten.
Vor einem Jahr wurde die Null-Toleranz für Verunreinigungen mit in der EU nicht zugelassenen GVO in Futtermitteln aufgehoben. Hersteller gentechnikfreier Lebensmittel beklagen, dass ihre Produkte durch diese Regelungen schleichend mit Gentechnik verunreinigt werden. Gentechnik-Kritiker sehen in der Aufhebung der Null-Toleranz eine Lizenz zur Verunreinigung und halten diese für rechtswidrig.
03.04.2012 | permalink
Verein "Donau Soja" will Eiweißversorgung in der EU verbessern
Gentechnikfreies Qualitätssoja soll in der Donauregion angebaut werden (Foto:Franz-Haindl/pixelio)
Mit dem Verein "Donau-Soja" wollen Bayern und Österreich die Eigenversorgung der EU mit Eiweißfuttermitteln verbessern. In den nächsten Jahren soll systematisch der Anbau von gentechnikfreiem Qualitätssoja in der Donauregion forciert werden. Der oberösterreichische Agrarlandesrat Max Hiegelsberger und bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner forderten die Europäische Kommission auf, im Zuge des geplanten Greenings im Rahmen der EU-Agrarreform "einen echten Impuls für den heimischen Anbau von hochwertigen Eiweißpflanzen" zu setzen. Anstatt Soja aus Übersee zu importieren, sollte der Anbau von Eiweißpflanzen im Donauraum über die Bereitstellung von Forschungsgeldern gefördert werden.
23.03.2012 | permalink
Niedersachsen: verunreinigtes Mais-Saatgut zurückgerufen
Die Kontrolle des Saatgutes auf gentechnisch Verunreinigungen ist Sache der Länder. Bild: istockphoto/ Andreas Reh
Die diesjährige Saatgutuntersuchungen von Mais und erstmals Pflanzkartoffeln sind in Niedersachsen abgeschlossen. Bei vier von 72 Maisproben wies das Umweltministerium Spuren von gentechnisch veränderten Anteilen nach. Die verunreinigten Proben stammen aus Frankreich und Österreich, beides Länder, in denen der Anbau von Gentechnik-Mais verboten ist. Die betroffenen Firmen sind sofort informiert worden und organisieren die Rückholung, kontrolliert durch die staatlichen Gewerbeaufsichtsämter. Die Proben der Pflanzkartoffeln waren alle frei von gentechnischen Verunreinigungen. Dies ist die erste Kontrolle seit der EU-weiten Zulassung der Gentechnik-Kartoffel Amflora. Das Saatgut-Monitoring ist Aufgabe der Länder. Nach der Durchführung der Proben sind die Länder verpflichtet, die Information möglichst schnell zur Verfügung zu stellen, um in einem Kontaminationsfall mit Rückholaktionen reagieren zu können. Erst 2010 ist es zu einem Gentechnikmais-Skandal gekommen, da das Land Niedersachsen die gentechnische Verunreinigung von Maisproben erst nach der Aussaat bekannt gab.

Greenpeace, Bioland: Verunreinigungen von Mais-Saatgut mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) 2012
saveourseeds.org: Saatgut-Skandal 2010

