Saatgut-Skandal 2010

Auf etwa 2000 Hektar wurde in sieben Bundesländern dieses Jahr Mais-Saatgut ausgebracht, das nach Feststellung des Niedersächsischen Umweltministeriums den Gentechnikmais "NK603" enthält, der in Europa zum Anbau nicht zugelassen ist. Während andere Verunreinigungen von Saatgut von den Behörden frühzeitig abgemahnt und von den betroffenen Firmen rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen wurden, hatte Niedersachsen die festgestellte Verunreinigung so spät gemeldet, dass es bereits zur Aussaat gekommen war. Die Firma Pioneer Hi-Bred, die das Saatgut verkaufte, bestreitet die Verunreinigung. Gleichzeitig fordert die Firma zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter, die geltende "Nulltoleranz" für Saatgutverunreinigungen aufzuheben und durch Grenzwerte zu ersetzen. In der Diskussion versucht er dabei (siehe auch "transgen"), die technische Nachweisgrenze und akzeptierte Schwellenwerte in einen Topf zu werfen und dabei auch keinen Unterschied mehr zwischen in der EU zugelassenen und nicht zugelassenen GVOs zu machen. Pioneer beherrscht gut ein Drittel des deutschen Marktes für Mais-Saatgut. Greenpeace und Bioland hatten den Fall durch hartnäckiges Nachfragen aufgedeckt und den sofortigen Umbruch der betroffenen Felder und die Entschädigung der Bauern gefordert. Dies wurde mittlerweile von allen betroffenen Bundesländern angeordnet.
Insgesamt wurde bei den routinemäßig durchgeführten Proben, für die Landesbehörden der einzelnen Bundesländer zuständig sind, in sieben Bundesländern Verunreinigungen festgestellt. Die Behörden konzentrieren sich bei der Probenahme auf importierte Saatgut-Chargen, bei denen eine Verunreinigung besonders wahrscheinlich erscheint. Alle rechtzeitig monierten Saatgut-Chargen wurden von den Herstellern noch vor dem Verkauf aus dem Verkehr gezogen.
Meldungen
transgen, 21. Juni: Alle Bundesländer ordnen Vernichtung an - Züchter fordern Schwellenwerte
top agrar, 21. Juni: GVO-Mais: Umbruch bundesweit angeordnet
top agrar 14. Juni: Wirrwarr um verunreinigtes Maissaatgut
Presseerklärung von 14 Unternehmen, 11. Juni: Maiszüchter wehren sich
Pioneer ab 8. Juni: Pioneer widerspricht Untersuchungsergebnissen
Greenpeace 6. Juni: Greenpeace deckt Aussaat von illegalem Gen-Mais auf
Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Gentechnik (LAG)
Die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Gentechnik koordiniert unter anderem die Saatgut-Prüfung der Landesbehörden und hat hierfür einen gemeinsamen
Leitfaden entwickelt sowie ein
Konzept zur Durchführung der Untersuchungen. Sie hat sich auch auf ein
gemeinsames Vorgehen bei Verunreinigungen bis zu 0,1% mit für den Anbau zugelassenen GVOs verständigt.
Untersuchungsergebnisse der Bundesländer
Verzeichnis der Saatgutverunreinigungen 2010, zusammengestellt von Greenpeace und Bioland
Baden-Württemberg, Untersuchungsämter für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit
Ernte 2009 - nur bei Mais geringe Spuren gentechnischer Veränderungen nachgewiesen
Bayern, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Untersuchungen von Saatgutproben auf gentechnisch veränderte Bestandteile
Untersuchungsergebnisse Saatgut 2009
Nordrhein-Westfalen, ILM Informations- und Kommunikationssystem Lebensmittelüberwachung
Gentechnikreport Nordrhein-Westfalen
Thüringen, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft
Ergebnisse der molekularbiologischen Untersuchung von Maissaatgut auf GVO-Verunreinigungen (Frühjahr 2009)
Niedersachsen, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Ergebnisse der Saatgutuntersuchungen
Es geht auch anders:
Österreich, Bundesamt für Ernährungssicherheit:
GVO-Monitoringberichte
Stellungnahmen
Landwirtschaftsministerium Baden Württemberg, Pressemitteilung 16.06.2010
Landwirtschaftsministerium Hessen, Pressemitteilung, 15.06.2010
Landwirtschaftsministerium Brandenburg, Pressemitteilung, 11.06.2010
Landiwirtschaftsministerium Mecklenburg Vorpommern, Pressemitteilung, 07.06.2010
AbL stellt Strafanzeige,
Pressemitteilung,
11.06.2010
Bayrischen Bauernverband, Pressemitteilung
, 11.06.2010
Bioland, 21. Mai: Niedersachsen verschleppt Klärung um genmanipuliertes Mais-Saatgut


