Nachrichten
07.02.2012 | permalink
2011 kaum Gentechnik-Anbau in Europa
In Europa wird hauptsächlich in Spanien und Portugal Gentechnik-Mais angebaut.
Kaum Gentechnik-Anbau in Europa, steigende Anbauflächen weltweit. Dies sind die wenig überraschenden Erkenntnisse aus dem Bericht der ISAAA, einer industrienahen Organisation, die jedes Jahr Zahlen über den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen herausgibt. Die Umweltorganisation Friends of the Earth Europe (FoEE) gibt dabei zu bedenken, dass die Zahlen kaum belegt sind und hauptsächlich von der Gentechnik-Industrie stammen. Denn die meisten Länder erfassen den Gentechnik-Anbau nicht getrennt. ISAAA wird von der Industrie jedoch dazu benutzt, ihr Geschäft als schönen Erfolg zu verkaufen. Dabei findet der Großteil des Anbaus nach wie vor nur in wenigen Ländern statt (USA, Brasilien, Argentinien). In Europa lässt sich kaum etwas schönreden. Hier blieb der Gentech-Anbau 2011 bei einem sehr geringen Anteil von 0,1% der gesamten Anbaufläche. Hauptsächlich in Spanien und Portugal wird der gentechnisch veränderte Mais MON 810 angebaut. FoEE setzt Zahlen des Ökolandbaus dagegen: Mit zweistelligen Zuwachszahlen macht die ökologische Landwirtschaft mittlerweile 3,7% der Anbaufläche in Europa aus. Zudem schont sie die Umwelt und erzeugt Produkte, die von Verbraucherinnen und Verbrauchern immer mehr nachgefragt werden.
07.02.2012 | permalink
Bündnis legt Rechtsmittel gegen Versuche mit Gentech-Rüben ein
Landwirt protestiert gegen Gentechnik
Die KWS hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt, findet ein Bündnis aus Verbänden, die Glyphosat-resistenten Gentechnik-Pflanzen kritisch gegenüberstehen. Deshalb hat das Bündnis dem Bundesamt für Verbraucherschutz eine dreißigseitige Einwendung vorgebracht, die sich gegen den Gentechnik-Anbau wendet. Die KWS Saat AG hält weiterhin an ihren Versuchen mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben fest und hat für die nächsten Jahre Freisetzungen beantragt. Dabei schafft der Anbau mit derartigen Pflanzen neue Probleme, statt bekannte Probleme zu lösen, so das Bündnis in einer Pressemitteilung. In Ländern mit großflächigem Anbau müssen beispielsweise immer mehr Pestizide eingesetzt werden, um gegen resistente Unkräuter vorzugehen. Das Spritzmittel selbst bringt außerdem viele Risiken für Menschen und Umwelt mit sich.
Im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wird daher morgen ein Antrag der Grünen diskutiert, der ein Verbot des Gift-Einsatzes voranbringen soll.
06.02.2012 | permalink
Keine Beschränkung auf zugelassene Sorten
Saatgutvielfalt soll auf Europäischen Feldern erhalten bleiben
Am 19. Januar 2012 erklärte die Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof (EuGH) das Verbot für ungültig, Sorten in Verkehr zu bringen, die in keinem offiziellen Katalog registriert sind. Ein Verbot würde die unternehmerische Freiheit, die Freiheit des Warenverkehrs sowie die Gleichbehandlung verletzen. Es sei grundsätzlich Aufgabe der Landwirte, darüber zu entscheiden welche Sorten sie anbauen. Diese Schlussanträge lassen hoffen dass der Europäische Gerichtshof der Ansicht seiner Generalanwältin folgen und der Totalitarismus der Saatgutverkehrsgesetze bald beendet wird.
03.02.2012 | permalink
Einspruch gegen Melonen Patent
Im Oktober demonstrierten 300 Menschen gegen Patente auf Pflanzen und Tiere in München. Foto: no-patents-on-seeds.org
Der Konzern Monsanto erhielt im Mai 2011 das Patent auf eine natürlicherweise vorkommende Resistenz bei Melonen gegen ein pflanzenschädliches Virus vom Europäischen Patentamt (EPA). Gegen dieses Patent erhebt die internationale Koalition „no patents on seeds“ nun Einspruch, da sie befürchtet, durch das Patent könnten die weitere Züchtung und der Anbau von Melonen erheblich behindert werden. Christoph Then von testbiotech und Patentberater von Greenpeace erklärt die Problematik: „Nicht die indische Melone selbst wird zur Erfindung erklärt, sondern alle weiteren Züchtungen, die mit Hilfe dieser ursprünglichen Pflanze hergestellt werden und resistent gegen das Virus sind. So bekommt der Konzern ein Monopol auf die Verwendung dieses indischen Saatguts.“ Die Kritiker berufen sich auf das Verbot der Patentierung auf konventionelle Züchtung, das in der EU gilt.
02.02.2012 | permalink
Keine Sicherheit bei Gentech-Mais
Testet die EFSA Gentechnik-Pflanzen unabhängig?
Der Verein Testbiotech hat gemeinsam mit GeneWatch UK offen gelegt, dass die derzeitige Risikobewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA offensichtlich nicht ausreichend ist. Die Firma Monsanto hatte zur Zulassung einer gentechnisch veränderten Maissorte Unterlagen eingereicht, die nach eigenen Angaben der Firma nicht mit den üblichen wissenschaftlichen Standards (Good Laboratory Practice) übereinstimmten. Obwohl nach EU-Richtlinie “eine den höchstmöglichen Anforderungen standhaltende wissenschaftliche Bewertung“ für die Prüfung verlangt wird, wurden die Unterlagen von der EFSA akzeptiert und der herbizidresistente Mais 2011 zugelassen. Außerdem wird kritisiert, dass die EFSA die Verwendung der Daten des industrienahen International Life Science Institute (ILSI) zulässt, von dem selbst ein Experte des Gentechnik Gremiums der EFSA, Joe Perry sagt: „Derzeit können wir der Datenbank von ILSI nicht trauen.“
01.02.2012 | permalink
Dänen machen Druck bei der Agro- Gentechnik
EU Kommission möchte nationale Anbauverbote erleichtern(Photo:Istock/BartCo)
Die dänische Ratspräsidentschaft macht Druck bei der Entscheidung über nationale Anbauverbote von Gentechnisch Veränderten Organismen (GVO) in einzelnen EU Mitgliedsstaaten. In einer Arbeitsgruppe legte die Ratspräsidentschaft ein Kompromisspapier zur Genehmigung von GVO vor. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission sollen nationale Anbauverbote erleichtert werden.Dänemark möchte die Ablehnung gegen den Kommissionsvorschlag überwinden, um möglichst noch im EU-Umweltrat im März eine Entscheidung herbeizuführen.
23.01.2012 | permalink
Aigner stimmt für die Zulassung von Gentech-Soja
Der Film "Raising Resistance" zeigt den Widerstand von Kleinbauern in Paraguay gegen den Anbau gentechnisch veränderter Soja in ihrem Land.
Zu Recht demonstrierten am Wochenende Tausende Menschen gegen Gentechnik und die Eu-Agrar-Politik der Bundesregierung. Denn gegen ihren Willen hat die Mehrheit der EU-Mitgliedsländer letzte Woche, darunter auch Deutschland, Spanien, Niederlande und Großbritannien, für die Zulassung von vier gentechnisch veränderten Soja-Pflanzen gestimmt. Nach dem Willen der Agrarindustrie sollen die Gentech-Pflanzen als Futter- und Lebensmittel nach Europa importiert werden. Verschiedene Verbände hatten schon im Vorfeld davor gewarnt, dem Antrag zuzustimmen, weil Pestizid-Rückstände auf den Soja-Pflanzen dadurch in die Nahrungskette gelangen können. Der Anbau bedeute ein Risiko für die damit arbeitenden Landwirte sowie für die biologische Vielfalt. Drei der Soja-Pflanzen sind durch die gentechnische Veränderung resistent gegen Herbizide gemacht. Christoph Then von dem Verein Testbiotech weist darauf hin, dass die Anwendung einiger dieser Spritzmittel in Deutschland bereits verboten ist bzw. bald verboten wird.
Im Vorfeld der Demonstration am Samstag lief das erste Mal der Dokumentar-Film „Raising Resistance“ im Kino. Er zeigt eindrucksvoll, wie Kleinbauern in Paraguay gegen den Anbau von Gentech-Soja kämpfen, der ihre Lebensgrundlage zerstört.
23.01.2012 | permalink
Demo war ein voller Erfolg
Demo Kundgebung 2012
Mit so vielen Teilnehmern hatten selbst die Organisatoren der Demo „Wir haben es satt!“ nicht gerechnet. Trotz des Wetters, das nicht schlimmer hätte sein können, protestierten 23000 Menschen am Samstag vor dem Kanzleramt gegen Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche ökologische Landwirtschaft. Anlass war der Agrarministergipfel, zu dem Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im Rahmen der Grünen Woche Agrarminister aus über 70 Ländern einlud. Von ihr forderten die Demonstranten, die Reformansätze der EU-Agrarreform nicht länger zu blockieren.
17.01.2012 | permalink
EU entscheidet über GVO-Soja-Zulassung
Soja(Photo:Franz Haindl/Pixelio)
Am heutigen Dienstag entscheiden die EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel über die Zulassung von vier Varianten gentechnisch veränderter Soja für die Verwendung in Futter- und Lebensmitteln. Friends of the Earth Europa und Testbiotech fordern in einem gemeinsamen Brief die Mitgliedsstaaten dazu auf, diese Anmeldungen zurückzuweisen. Rückstände aus Spritzmitteln könnten in die Nahrungskette gelangen. Zudem führt die Zulassung insbesondere der herbizidresistenten Pflanzen zu resistenten Unkräutern und neuen Pflanzenkrankheiten, was ein erhebliches Risiko für Landwirte und die biologische Vielfalt darstellt. Die Risikobewertung durch die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA weist bei den vorliegenden Fällen erhebliche Schwächen auf. So wurden beobachtete unbeabsichtigte Veränderungen der Pflanze sowie das festgestellte Risiko für das Immunsystem im Fall der insektengiftigen Sojabohne MON87701 entweder nicht genauer untersucht oder als irrelevant abgetan.
16.01.2012 | permalink
Gentechnik-Kartoffeln in Deutschland sind Vergangenheit
Amflora-Feld in Zepkow, Mecklenburg-Vorpommern am 09.09.2010 (Foto:Infodienst)
Die Unternehmenszentrale der BASF Plant Science geht in die USA, die Entwicklung und Kommerzialisierung der Gentechnik-Kartoffeln Amflora, Amadea und Modena werden gestoppt. Dies teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Gentechnik-Kritiker verbuchen die Flucht nach Amerika als Erfolg ihrer Arbeit. Die umstrittene und mit Misserfolg gekrönte Gentechnik-Kartoffel Amflora hat den Konzern 13 Jahre Wartezeit auf eine Zulassung, jährlich etwa 150 Millionen Euro und viel Kritik wegen Gesundheitsgefahren eingebracht. Die nicht zugelassene hauseigene Gentechnik-Kartoffel Amadea hat zudem einen Verunreinigungsskandal produziert. Die Knolle entpuppte sich als extrem pilzanfällig und wenig erfolgversprechend. Nun will sich der Konzern auf Projekte konzentrieren, die Ertragssteigerung und Stresstoleranz der Pflanzen versprechen. Er will die Partnerschaft mit Monsanto intensivieren und die Forschung in Deutschland auf die Genidentifizierung ausbauen. Das Gen-ethische Netzwerk (GeN) freut sich. Christoph Potthoff, Mitarbeiter des GeN fasst zusammen: "Wir werden diesem Geschäftszweig keine Träne hinterher weinen". Er wertet diese Entscheidung als Eingeständnis einer Niederlage gegen die deutsche und europäische Zivilgesellschaft, von der immer wieder breiter Protest gegen den Anbau ausging.

FoE Europe: Organic farming dwarfs GM crop production in Europe
Informationsdienst Gentechnik: Anbaustatistiken von Gentech-Pflanzen
SOS: Europaparlament für nationale Gentechni-Anbauverbote
